Nach einer langen Pauſe ließ ſich endlich Mariens melodiſche Stimme vernehmen:„Lieber Victorl geh' nun vom Fenſter fort, daß ich die Gardinen zuſammen⸗ ziehen und Licht anzuͤnden kann; ich habe nicht Zeit mein
Naͤhzeug laͤnger ruhen zu laſſen.“
Victor gehorchte ſofort, obgleich noch einige ſehnſuͤch⸗ tige Blicke nach der Straße ſendend, waͤhrend er ſeufzte: „Ich ſchaute da eben nach Mamſell Holm aus, ich ſehne mich doch ganz entſetzlich nach ihr.“
Ein halb erwachſenes Dienſtmaͤdchen brachte Licht, waͤhrend Maria die kleine Liſe auf einen Stuhl hob, und ihre Papierpuppen auf den Tiſch vor ihr hinſtellte,
ſich ſelbſt aber mit der Arbeit neben ſie ſetze. Victor ſchlich ſich leiſe hinter ihren Stuhl, ſchlang ſeine Arme um ihren Hals, und ſagte:„Lieb⸗ Muͤtterchen! glaubſt Du
nicht wohl, daß Mamſell Holm Dir Geld mit nach Hauſe bringt?“
Maria blickte ihn an und ſagte laͤchelnd:„Ich hoffe es mein Kind.“
„Iſt es Dir denn nicht gewiß?“
„Nein, wie kann mir dergleichen gewiß ſein? Die Dame, die mir die kleine Rechnung bezahlen ſoll, kann ja ausgegangen ſein, oder ſonſt Abhaltung haben, wer kann das wiſſen?“
„Wenn ſie aber ausgegangen iſt da kann ja Mamſel
9.


