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zu nahe trat, vielmehr ihm ſtets ſchmeichelte, letzen zu können. b
„Es mochte ungefähr um die vierte Nachmit⸗ tagsſtunde ſein, als von der Herberge des Fleck⸗ ens Gurnigel, einer ſchon auf Berniſchem Gebiete, doch unfern von der Grenze der Grafſchaft Grey⸗ erz gelegenen Ortſchaft, ein Reiter auf dampf⸗ endem und erhitztem Roſſe angeſprengt kam. Er ſprang aus dem Sattel, warf die Zügel einem ihm entgegenkommenden Knechte zu und eilte die Hausſtiegen hinan in die Gaſtſtube. Da ſaß vor dem großen Holztiſche ein Mann in Rittertracht, mit dem Rücken gegen die Thür, den Kopf auf beide Arme geneigt und ſchlafend, wie es ſchien, wenngleich Becher und Weinkrug dicht neben ihm ſtanden. Er mochte beiden zugeſprochen haben, denn ſie waren leer; eine Frau oder Dirne zeigte ſich in ſeiner Nähe geſchäftig und ordnete beim Eintritte des Ankömmlings Buſentuch und Haar, das ein wenig verwirrt und loſe ſie umhing. Die Augen des Weibes waren dunkel und feurig, ihre Bewegungen etwas frei, und ihre Wangen glühten, wie es nach dem Genuß erhitzender Ge⸗ tränke zu geſchehen pflegt; mit ihren runden, kern⸗ haften Armen ſchlang ſie das Band auf ihrem
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