Teil eines Werkes 
3. Bd. (1866)
Entstehung
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Wahrheit mit Scherz, das Edle und Große mit dem heiteren Gewande der Laune zu verbinden, möchte auf den erſten Anblick ſchwer erſcheinen. Aber England und Deutſchland haben uns ſeit Jahrhunderten ſo gläͤnzende Reſultate gegeben, daß wir glauben dürfen, wenn nur der Geſchmack der Menge beſſer wäre, der Geiſter, die ſie würdig und angenehm zu unterhalten wüßten, würden immer mehrere auftauchen. Welchen Mann, der nicht allen Sinn für Scherz und muntere Laune hinter ſich geworfen hat, welchen Mann ergötzt nicht die Schilderung eines ſonder⸗ baren, verſchrobenen Charakters, wer erfreut ſich nicht an heiteren Scenen, wo nicht der Verfaſſer lacht, ſondern die Figuren, die er uns gezeichnet. Wem, wenn er auch Jahre lang nicht gelächelt hätte, müßten nicht Jean Pauls Prügelſcenen ein Lächeln abgewinnen? Auf der Stufenleiter ſeines Humors ſteigt er herab bis in das unterſte gemeinſte Leben, aber ſehet Ihr ihn jemals

gemein werden, wie Clauren auf jeder Seite iſt? Walter Scott, der Mann des Tages, der aus manchem Herzen ſelbſt die Wurzel

des Vergißmeinnicht geriſſen hat, Walter Seott treibt ſich in den gemeinſten Schenken des Landes, in den ſchmutzigſten Höhlen von Alſatia umher, aber ſehet Ihr ihn jemals gemein werden? Weiß er nicht, wie jene niederländiſchen Künſtler, ſogar das Unſauberſte zu malen, ohne dennoch ſelbſt unreinlich und ſchlüpfrig zu ſein? Köͤnnet Ihr nicht ſeine Schilderungen, ſelbſt an das Gefährliche ſtreifende Situationen, jedem Mädchen von Zucht und Sitte vorleſen, ohne ſie dadurch erröthen zu machen? Solche Männer kommen mir vor wie anſtändige Leute, die durch eine ſchmutzige Straße in gute Geſellſchaft gehen ſollen. Sie treten leiſe auf, ſie wiſſen mit ſicherem Fuße die breiten Steine herauszufinden, und treten reinlich in die Hausflur, während Menſchen wie Clauren, wilden Jungen oder Schweinen gleich, durch Dick und Dünne laufen, und, nicht zufrieden, ſich ſelbſt beſchmutzt zu haben, die Vorübergehenden beſudeln und mit Koth beſpritzen. 3 Noch gibt es, Gott ſei es gedankt, ſolcher reinlichen Leute

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