Teil eines Werkes 
3. Bd. (1866)
Entstehung
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Das Gewebe mußte locker und leicht ſein, keiner der Charaktere zu ſehr herausgehoben und ſchattirt. Es wäre z. B. ein Leichtes geweſen, aus Ida eine ganz honnete, würdige Figur zu machen; der Charakter des Hofrath Berner hätte mit wenigen Strichen mehr hervorgehoben werden können; man hätte aus der ganzen Novelle ein mehr gerundetes, würdiges Ganzes machen können! Aber dann war der Zweck verfehlt. So flach als möglich mußten die verſchiedenen Charaktere auf der Leinwand ſtehen, ſteif in ihren Bewegungen, übertrieben in ihrem Herzeleid, grell in ihren Leidenſchaften, ſinnlich, ſinnlich in der Liebe. Jene Novelle an ſich hat keinen Werth, und dennoch hat es mich oft in der Seele geſchmerzt, wenn ich eines oder das andere der geſammeltenZuthätchen einſtreuen, wenn ich von keuſchen Mar⸗ morbuſen, ſtolzer Schwanenbruſt, jungfräulichen Schneehügeln, Alabaſterformen et caetera ſprechen mußte, wenn ich nach ſeinem

Vorgange von ſchönenWäd, von ſüßen(was nicht

Küche bedeutet), von wollüſtigen Träumen ſchreiben ſollte; wenn die Liebesglut zur Sprache kam, die demjungfräulichen Kind wie glühendes Eiſen durch alle Adern rinnt, daß ſie alle andern Tücher wegwirft und die leichte Bettdecke herabſchieben muß! Ich habe gelacht, wenn ich nach Anleitung ſeines Gradus ad Par- nassum als Beiwort zu den Haarenkohlrabenſchwarz oder Flachsperrücke ſetzen mußte, wenn man ſtatt der AugenFeuer⸗ räder oderLiebesſterne hat, Korallenlippen,Perlenſchnüre ſtatt der Zähne, Schwanenhälſe ſammt ditto Bruſt, Kniee, die man zuſammenkneipt, weil man vor Lachenberſten möchte; Wäd und Füßchen zum und dergleichen lächerliche ge⸗ meine Worte. Nachdem gehörig getollt, gejodelt, getanzt, geweint, abgehärmt war, nachdem, wie natürlich, das Laſter beſiegt und die Tugend in einem herrlichen Schleppkleide, mit Brüſſeler Kanten, Blumen im Haare auf die Bühne geführt war, wurden als Morgengabe mehrere Millionen Thaler, einige Schlöſſer, Parks, Gründe et caetera aufnotirt und Hochzeit gehalten. Da gab es nun einerſchreckliches Halloh, daß man nicht wußte,