Teil eines Werkes 
3. Bd. (1866)
Entstehung
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Nüancen der Sinnlichkeit und Lüſternheit, jenen feinen, durch⸗

ſichtigen Schleier, womit er dem Auge mehr zeigt als verhüllt, alle Schattirungen ſeines Styls, jenes kokettirende Abbrechen, jenes Hindeuten auf Gegenſtände, die man verſchweigen will, dies Alles und ſo vieles Andere mußte ich ſuchen, mir zu eigen zu machen. Ich mußte einkehren auf ſeinen Bällen, bei ſeinen Schmäuſen, ich mußte einkehren in ſeiner Garküche und die rauchenden Paſteten, den dampfenden Braten, den ſchmorenden Fiſch beriechen, alle Sorten ſeiner Weine mußte ich koſten, mußte den Kork zur Decke ſpringen laſſen, mußte diebrüſſelnden Bläschen im Lilienkelchglas auf⸗ und niedertanzen ſehen und dann erſt konnte ich ſagen, ich habe den Clauren ſtudirt.

Dann erfand ich eine Art von Novelle, in der Manier, wie Clauren ſie gewöhnlich gibt, etwas mager, nicht ſehr gehaltvoll und dennoch zu zwei Theilen lang genug. Nothwendiges Requiſit war, nach den oben angedeuteten Geſetzen 1) ein junger, ſchmäch⸗ tiger, etwas bleicher, rabengelockter Mann, unglücklich, aber ſteinreich; 2) die Heldin des Stücks, ein tanzendes, plauderndes, naives, ſchönes, lüſternes, mitleidigesDingelchen, dem das

Herzchen alsbald vor Liebepuppert, dem die Liebe alles Blut⸗

aus dem Herzen in die Wangenpumpt.(Welch' ein gemeines Bild, von einem Weinfaß entlehnt, eines Küfers würdig!) 3) ein Spiritus familiaris, wie wir ihn beinahe in allen Clauren'ſchen Geſchichten treffen, ein altes, freundlichesKerlchen, das den

Liebenden mit Rath und That beiſteht; 4) ein neutraler Vater,

der zum wenigſten Präſident ſein muß; 5) ein Paar Furien von Weibern, die das böſe, eingreifende Schickſal vorſtellen; 6) einige Huſarenlieutenants und Dragoneroffiziere nach ſeinen Modellen abconterfeit; 7) ein alter Onkel, der mit Geld Alles ausgleicht; 8) Bediente, Wirthe et caetera. So waren die Perſonen arran⸗ girt, das Stück zu Faden geſchlagen und jetzt mußte gewoben werden. Hier mußte nun hauptſächlich Rückſicht darauf genommen

werden, daß man ſein Deſſein immer im Auge behielt, daß man

immer daran dachte, wie würde er, der große Meiſter, dies weben?