Teil eines Werkes 
3. Bd. (1866)
Entstehung
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wahrhaft Schöne und Edle, Reine und Erhabene ſchwächt und ein Verderben bereitet, das bedauerungswürdiger iſt, als eine körperliche Seuche, welche die Blüthe der Länder wegrafft.

Ich habe Euch vorhin ein Bild entworfen von dem Weſen und der Tendenz dieſes Clauren, nach allen Theilen habe ich ihn enthüllt, und wer unter Euch kann läugnen, daß er ein ſolches Gift verbreite? Wer es kann, der trete auf und beſchuldige mich einer Lüge! Männer meines Volkes, die Ihr den wahren Werth einer ſchönen, kräftigen Nation nicht verkennt, Männer, die Ihr die Phantaſie Eurer Jünglinge mit erhabenen Bildern ſchmücken wollt, Männer, die Ihr den keuſchen Sinn einer Jung⸗ frau für ein hohes Gut erachtet, Ihr, ich weiß es, fühlet mit mir. Aber Ihr müßt auch gefühlt, geſehen haben, daß jene öffent⸗ lichen Stimmen, die den Marktſchreier rügten, der den Verblen⸗ deten Gift verkauft, nicht ſelten in Eure Häuſer gedrungen ſind. Ich habe gefühlt wie Ihr, und der Ausſpruch jenes alten Arztes fiel mir bei:Gegen Gift hilft nur wieder Gift. Ich dachte nach über Urſache und Wirkung jener Mimilimanier, ich betrachtete genau die Symptome, die ſie hervorbrachte, und ich erfand ein Mittel, worauf ich Hoffnung ſetzte. Aus denſelben Stoffen, ſprach ich zu mir, mußt du einen Teig kneten, mußt ihn würzen mit derſelben Würze, nur reichlicher überall, nur noch pikanter; an dieſem Backwerk ſollen ſie mir kauen, und wenn es ihnen auch dann nicht widerſteht, wenn es ihnen auch dann nicht wehe macht, wenn ſie an dieſerTrüffelpaſtete, an dieſem Auſternſchmaus keinen Ekel faſſen, ſo ſind ſie nicht mehr zu kuriren, oder es war nichts an ihnen verloren.

Zu dieſem Zwecke ſcheute ich nicht die Mühe, die reiche Bibliothek von Scherz und Ernſt, die üppig wuchernde Sumpf⸗ pflanze Vergißmeinnicht nach allen ihren Theilen zu ſtudiren. Je weiter ich las, deſto mehr wuchs mein Grimm über dieſe nichtige Erbärmlichkeit. Es war eine ſchreckliche Arbeit; alle ſeine Kunſtworte, alle ſeine Wendungen, alle ſeine Schnörkel und Arabesken, jene Coſtüme, worein er ſeine Püppchen hüllt, alle