Teil eines Werkes 
3. Bd. (1866)
Entstehung
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Schloß— es war zwar niedlich, geſchmackvoll, bequem gebaut, lag wunderſchön und hatte Gärten und Felder, wie man ſie ſelten ſah; aber vor vierzehn Tagen war dies Alles noch leer geſtanden, Tapeten waren abgeriſſen herabgehangen, im Saal war Haber aufgeſchüttet geweſen, kurz, man hatte geſehen, daß es eine gute Weile nicht bewohnt war, und mancher Käufer hätte nicht ge⸗ glaubt, innerhalb eines halben Jahres mit der Reſtauration fertig werden zu können. Und jetzt— die behaglichſte Eleganz, die man ſich denken konnte; dieſe Trumeaux, ein Gardiſt mit ſieben Fuß hätte ſich, und hätte er noch einen ellenlangen Federbuſch auf dem Hut gehabt, perfect am ganzen Leib von der Zehenſpitze bis zum äußerſten Federchen darin ſehen können. Dieſe breitarmi⸗

gen Lüſtres, dieſe Kryſtalllampen, dieſe geſchmackvollen Sopha's,

Theetiſche, Toiletten, Etagéren, dieſe Pracht von Porzellan, Beinglas, Kryſtall, Silber an Servicen, Leuchtern, Vaſen, an Allem, was nur die feinſte Modedame ſich wünſchen kann; gar nichts war vergeſſen! Die Freilinger wandelten wie in einem Feen⸗ palaſt umher, und die Mädchen und die Frauen— Ida wandelte zwar wie eine Königin in dieſer Herrlichkeit, als hätte ſte von Jugend auf darin gelebt, aber man hörte doch ſo manches Sprüch⸗ lein vom blinden Glück und Zufall, die Einen im Schlafe heimſuchen.

Jetzt riefen die Trompeten zur Tafel, und da war es, wo Hofrath Berner ſeine Lorbeeren erntete. Die neue Dienerſchaft des jungen gräflichen Paares hatte er ſchon ſo inſtruirt, daß Alles wie am Schnürchen ging, und zwar Alles auf dem höchſten Fuß; denn wenn einer der Gäſte nur vom ſilbernen Teller ein wenig aufſah, oder mit einem Nachbar converſirte, huſch! war der Teller gewechſelt und eine neue Speiſe dampfte ihm entgegen. Aber auch in der Küche hatte er gewaltet, und es hätte wenig gefehlt, ſo hätte er aus lauterem Eifer, Alles recht delikat zu machen, ſich ſelbſt zu einem Ragout oder Hachée verarbeiten, oder zu einer Gallerte einſieden, wenn nicht gar mit einer Zuthat

von Zucker zu einer Marmelade einkochen laſſen. Auch ihn hielten

die Damen für einen zweiten Oberon, der eine ewig reichbeſetzte