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ſchaute auf Ida's ſilbernen Teller und deutete lachend auf den
Rand—
„Gar nicht mehr an ihn gedacht? Welcher Graveur hat denn da gekritzelt? Fräulein Lügenhauſen? He!“
„Nun, da hatte ſich das Mädchen wieder vergaloppirt, hatte, ohne daß ſie es im geringſten wußte, unter ihrer Gedankenreihe das Deſſertmeſſer in die Hand bekommen, auf dem Teller herum⸗ gekritzelt, und da ſtand mit hübſchen, deutlichen Buchſtaben: Emil v. Mart.—
„Nein, wie einem doch der Zufall bei böſen Leuten Streiche ſpielen kann!“ replicirte ſie mit der unverſchämteſten Unbefangen⸗ heit, kratzte, indem ſie ſich ſelbſt über ihre furchtbare Kunſt, zu verdrehen, wunderte, in aller Geſchwindigkeit ein Schnirkelchen hin, wies dem kurzſichtigen Hofrath den Teller und ſagte:„Sehen⸗ Sie? Da war irgend eine reiſende Prinzeſſin hier, welcher man auf Silber ſervirte, und um den merkwürdigen Tag ihrer An⸗ weſenheit zu verewigen, ſchrieb ſie die paar Worte hieher: Emilie v. Mart., heißt offenbar: Emilie, am fünften März.“
„Gott im Himmel, was hätteſt Du für einen Rechtscon⸗ ſulenten und Rabuliſten gegeben!“ antwortete Berner und ſetzte vor Schrecken den friſcheingeſchenkten Kelch, den er ſchon halb⸗ wegs gehabt, wieder nieder.„Habe ich nicht geſehen, wie Du das Ding kritzelteſt; und jetzt thäte es Noth, ich deprecirte den falſchen Verdacht?“ Doch Engelsköpfchen Ida ſah ihm ſo bittend ins Auge, daß er unwillkürlich wieder gut wurde; in den ſüßeſten Schmeicheltönen bat ſie ihm die Unart ab, verſprach, ſich nie mehr aufs Läugnen zu legen, wenn er gelobe, dem Papa nichts zu ſagen, der ſie wenigſtens acht Tage lang mit ihrer Silber⸗
ſchrift necken würde. Er gelobte, mahnte aber, jetzt ſich zum
Cotillon zu rüſten.„Nur noch ein Viertelſtündchen!“ bat Ida, weil ſie dem widerwärtigen Kreisſekretär habe zuſagen müſſen. Aber das Sträuben half nichts; die Hörner erklangen im Tanzſaal, und die Tafel rüſtete ſich, aufzubrechen. Da ſtand der Präſident auf;„noch einen Kelch, meine Damen!“ rief er über die Tafel


