Teil eines Werkes 
3. Bd. (1866)
Entstehung
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Die Kirche. Der alte Küſter am Munſter zu Freilingen ſaß in dieſer Nacht nach ſeiner Gewohnheit noch lange in ſeinem kleinen

Stübchen; der Abendſegen war ſchon vor einer Stunde ſeiner

Ehehälfte vorgeleſen, er hatte ſich jetzt hinter die alte Chronik geſetzt und las mit brummender Stimme halblaut vor ſich hin, wie man den herrlichen, vierhundert Schuhe hohen Münſterthurm erbaut, und wie ſolches viel Zeit und Geld gekoſtet habe. Eben wollte die Alte den weiß⸗ und blaugeſtreiften Umhang der zwei⸗ ſchläfrigen Himmelsbettlade auseinanderſchlagen, um ihren Ehe⸗ zärter zu ermahnen, ſein gewohntes Lager zu ſuchen, als man ſtark an den Fenſterladen des niedern Parterreſtübchens pochte. Macht auf, Meiſter Küſter! ſeid ſo gut und macht auf! rief eine beſcheidene, aber tiefe Stimme draußen.Wird wohl ein Bote von einem Kranken ſein, naͤſelte der Küſter,der die Sakramente noch will. Er legte die Brille ins Chronikbuch, daß die Stelle nicht verblättere, denn er hatte von dem Kalk geleſen, den man mit Wein angemacht habe, und hatte dabei

unmuthig an das Dünnbier gedacht, das ſeine Urſula ihm, einem.

Nachkommen dieſer Weinmaurer, tagtäglich vorſetzte.

Draußen ſchob er die mächtigen Schlöſſer und Riegel der Hausthüre auf, und herein trat ein kleiner ältlicher Mann in reichbordirtem Bedientenrocke.Was ſoll's ſo ſpät? fragte der Küſter.

Kamerad, antwortete der Bediente, indem er den Küſter aus dem alten Hausgang in die wärmere Stube hineinzog,Ka⸗ merad, wollt Ihr mir und noch Jemand einen Liebesdienſterweiſen? Zugleich legte er einen blanken harten Thaler auf den Tiſch.

Der Küſter wog den Thaler in der Hand, ließ ihn wieder auf den Tiſch fallen, daß es einen wohllautenden Klang gab, und ſagte: Wenn's nichts gegen Amt und Gewiſſen iſt, warum nicht?

So nehmt Eure Schlüſſel, fuhr der Andere fort,und ſchließt die Münſterkirche auf.

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