68
nuten Dinge gehört, wovor einem die Haut ſchaudern könnte; nimm Dich um Gotteswillen in Acht, Kind, wenn Du Deine . Augenbeobachtungen anſtellſt; ich weiß es aus meiner Jugend, daß in gewiſſen Augen Häkchen ſitzen, die uns, wenn man all⸗ zutief ſchaut, feſthalten, daß an kein Entrinnen zu denken iſt; haſt Du nie etwas von der Augenſprache gehört?“
„Doch,“ entgegnete der kleine Uebermuth,„ich glaube ſie auch zur Noth zu verſtehen.“—
„Iſt gar nicht vonnöthen; man ſpricht ſie zwar vom Rhein bis zum Miſſiſſippi, vom Don bis zum Ohio, lerne aber nie mehr, als etwas kauderwelſch parliren, denn wer ſich ſo gar ge⸗ läuſig ausdrückt und mit zwanzig zumal in dieſer Sprache ſpricht, gilt nicht mit Unrecht für eine Erzgeneralkokette.“
„Nun, für eine ſolche werden Sie mich doch nicht halten?“. 2 fragte Ida etwas empfindlich.
„Dazu kenne ich mein ſüßes Mädchen zu gut,“ entgegnete
3 der Hofrath traulich und drückte ihr das weiche Sammethändchen; 1 „was aber den bleichen Patron dort drüben betrifft, ſo kann er 4 über allerlei geweint haben; er kann zum Beiſpiel ſeine Mutter, ſeine Schweſter oder gar ſein Mädchen verloren haben.“ 4
„Mei— nen— Sie?“ antwortete Ida gedehnt und unmuthig. „Doch nein! da würde er ja nicht auf den Ball gehen,“ ſetzte 4 ſie freudig hinzu;„da würde er zu Haus trauern und nicht die Freude aufſuchen.“
„Oder,“ fuhr jener fort,„es gingen ihm vielleicht ſeine Wechſel aus, und er hat im Augenblicke kein Geld, um ſeine Reiſe fortzuſetzen.“
„Nicht doch,“ fiel ſie ein,„wie mögen Sie nur dieſem intereſ⸗ aͤanten Geſicht einen ſo gemeinen Kummer andichten. Sieht er nicht nobler aus, als alle unſere Aſſeſſoren, Lieutenants und ſo weiter zuſammen, und er ſollte mit vier Poſtpferden in einem herr⸗ lichen Landau fahren und weinen, weil er kein Geld hat? Pfui!“ 8 „Ei, wie ſich der kleine Advokat vereifert und verdisputirt;. das Maäulchen geht ja, als ſollte es einen Prozeß vor den Aſſiſen


