Teil eines Werkes 
3. Bd. (1866)
Entstehung
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aufzuſehen, ging er mit geſenktem Haupt bis an unſere Wagen⸗ thure. Da richtete er ſich auf, und Sie können ſich meinen Schrecken denken, Hofrath, als ich das nämliche geiſterbleiche Geſicht ſah, das auch Ihnen aufgefallen iſt. Er mußte heftig geweint haben, denn Thränen hingen in den langen ſchwarzen Wimpern und gaben dem glühendſchwarzen, finnigen Auge einen ganz eige⸗ nen Reiz! 3 So, ſo? Einen ganz eigenen Reiz! antwortete lächelnd der Hofrath.Wer hat denn meinem Mädchen erlaubt, über Maͤnneraugen Betrachtungen anzuſtellen? Hat ſie das auch bei Madame La Truiniaire in der Reſidenz gelernt? Das luſtige Amorettenköpfchen, das ſich da, es wußte nicht wie, verbebbert hatte, ſchlug die Augen nieder und ſagte:Legen Sie nicht Alles ſo boͤs aus, Bernerchen, Sie verſtanden ja doch ſonſt Ihre Ida nicht immer falſch. Sehen Sie, was die Augen betrifft, da habe ich nun ein⸗ mal meinen eigenen Geſchmack. Schöne blaue oder ſchwarze Augen, mitunter auch recht glänzendbraune, ſehe ich an Jeder⸗ mann gern. Daher ſind mir auch alle junge Herren ſo zuwider, weil ſte ſelten ſchoͤne Augen haben; ſie haben ihnen durch die Lorgnetten, Brillen und, Gott weiß, durch was ſonſt, den ſchoͤn⸗ ſten Glanz benommen und ſtieren uns an, wie geſtochene Boͤcke; deſto mehr freue ich mich, wenn ich einmal eine ſolche Ausnahme treffe. Eine ganz eigene Freude macht mir auch das Aufſchlagen der Augen, das man unter Tauſenden kaum einmal ſo recht an⸗ muthig, ſinnig und, wie man es gerne haben mochte, trifft. Beides ſah ich nun an dem Fremden, darum hat er mir auch ſo ge 3 3 Da hatte ſich das ſchnelle Schnäaͤbelchen ſchon wieder ver⸗ plappert! Der Hofrath horchte noch immer, aber Idchen blieb ſtill, biß die Lippen zuſammen und ſpielte mit dem Amethyſt⸗ kreuz am Collier, das unter dem Tanzen ſich zwiſchen den Schnee⸗ hügeln hinabgeſchoben hatte und ganz glühend heiß geworden war. Ci, ei! warnte der Hofrath,ich habe da in zwei Mi⸗