69 führen! Uebrigens wollen wir bald ſehen, wer der Patron iſt; habe ich doch den Ball arrangirt und daher auch das Recht, Fremden, die ſich eindrängen, auf den Zahn zu fühlen.“
„Nun ja, thun Sie das, liebes Hofräthchen, aber ja recht artig und delikat,“ ſetzte das erröthende Mädchen mit den ſüßeſten Schmeichelworten hinzu;„wer ſo tiefen Kummer hat, wie jener zu haben ſcheint, muß unter Fremden wie unter Freunden zart
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behandelt werden!
Der Fremde.
Unterdeſſen hatten ſich mehrere Herren an Berner gewendet, um zu erfahren, wer der Fremde ſei; allen war es aufgefallen, wie er ſchon ſeit einer Stunde ſich nicht vom Platze bewegte und, an eine Säule gelehnt, ſo wenig Intereſſe an dem glänzenden Ball zu nehmen ſchien. Der Hofrath ging zu ihm hin und kehrte bald zurück.„Wer iſt es? Wie heißt er?“ fragten zehn, zwanzig zumal.„Was hat er geſprochen?“
„Nichts hat er geſprochen!“ antwortete Berner,„ſondern mir nur dieſe Karte gegeben.“
Die Karte ging jetzt von Hand zu Hand, es war aber nichts darauf zu ſehen, als ein ſchöngeſtochenes Wappen und der Name Emile Comte de Martiniz.„Ein Graf alſo?“ Die Neugierde war nur halb geſtillt; die Freilinger, denen die Erſcheinung eines fremden Grafen auf ihren Bällen ctwas Seltenes ſein mochte, gingen kopfſchüttelnd umher; ſie hätten gar zu gerne gewußt, wo⸗ her er komme, wohin er gehe, warum er nicht tanze. Man be⸗ trachtete das fremde Wunderthier von allen Seiten; doch der Hof⸗ rath, der ſo viel Takt hatte, daß er in des Fremden Seele fühlte, wie peinlich eine kleinliche Neugierde ſein müſſe, gab das Zeichen, und die Galoppade, von zwanzig Trompeten vorgetragen, rauſchte durch den Saal hin und rief zum Tanze.


