64
er den ſüßgewölbten Mund betrachtete, da dachte er: Nein, dir traue Dieſer und Jener, aber ich nicht, weiß ich doch von früher 3 her, wie du gerne Flauſen machſt und dem guten ehrlichen Berner gerne ein X für ein U unterſchiebſt. Jetzt willſt du dein Schach verſpielen und mir irgend einen klauen Dunſt vorſchwefeln, und 4 das Herzchen iſt am Ende doch in der Reſidenz geblieben, und 4 Fräulein Stahlberg iſt nur darum ſo ſpröde gegen die Freilinger Stadtkinder. Aber baſta! der Hofrath Berner hat auch gelebt und geliebt, und wettet ſeinen Kopf, dieſes Auge weiß, was Liebe iſt, dieſe friſchen Purpurlippen haben ſchon geküßt, aber anders als nur ſolche Hofrathsküſſe!“ Der gute Alte aͤußerte etwas von dieſen Gedanken gegen Ida, ſie aber ſah ihm ganz ruhig ins Geſicht und verſicherte lächelnd: gefallen habe ihr ſchon Mancher geliebt habe ſie aber bis dieſe Stunde noch keinen Mann, als ihren Vater und ihn.
—
Schöne Augen.
„Aber ſagen Sie, Idchen,“ fragte der Hofrath, als er ſie wieder an ihren Platz geführt hatte,„iſt das etwa ein Couſin 1 oder dergleichen, der da mit Ihnen kam?“
„Ich kam mit Papa,“ antwortete die Gefragte,„und ſontftf war Niemand dabei. Wen meinen Sie denn?“
„Nun, der Bleiche dort kam ja doch wohl mit Ihnen, es— kennt ihn Niemand im Saal, und mit Ihnen trat er herein, v ſonſt müßte er ja, Sie wiſſen, daß das Muſeum geſchloſſene Ge⸗ ſellſchaft iſt, ſonſt müßte er ja eingeführt ſein. Sehen Sie, der dort.“ Er zeigte hin. An eine Säule gelehnt, ſtand unbeweg⸗ lich mit übergeſchlagenen Armen eine ſchlanke Geſtalt. Noch konnte Ida das Geſicht nicht ſehen, nur die glänzenden ſchwarzen Locken des Haares fielen ihr auf; ſie wollte ſich eben beſinnen, 41 wo ſie ſchon ſolche geſehen habe, da wandte jener ſich um, und


