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zogen und es dem Hofrath als Findling vor die Thüre gelegt, wie ſie dem Oberpfarrer die Waden voll Stecknadeln geſetzt, daß ſte ausſahen wie der Rücken eines Stachelſchweins, Alles, ohne daß er es merkte, denn er trug falſche. Der Hofrath wollte ſeinen Ohren nicht trauen. Es war ja daſſelbe luſtige, naive Ding wie früher, und doch ſo wunderherrlich, ſo groß, mit ſo unendlich viel Anſtand und Würde! Er hätte ſie auf der Stelle am Kopf nehmen und ſie recht abküſſen mögen, wie früher, wenn ſie einen ächten Ausbund von Schelmenſtreichen gemacht hatte. Es ging über ſeine Begriffe!„Wie können Sie nur ſo hartherzig ſein, Idchen!“ ſagte er,„und nicht einen Blick auf unſere jungen Herren werfen, die zerſchmelzen wie Wachs am Feuer? Nicht einmal einen Blick für alle dieſe Erklamationen und Betheuerungen, welche ſie doch gehoͤrt haben müſſen?“ „Was gehen mich Ihre jungen Herren an?“ plapperte ſie mit der groͤßten Ruhe fort.„Die ſind hier, wie überall, un⸗
verſchämt wie die Fleiſchmücken im Sommer. Das koöͤnnte kein
Pferd aushalten, wollte man darauf achten. Sie pfeifen in der Reſidenz eben ſo, das wird man gewohnt; ſo von Anfang macht es ein wenig eitel. Wenn man aber ſieht, wie ſie Dieſer und Jener daſſelbe zuflüſtern, vor der Urſel ebenſo, wie vor der Baͤrbel ſterben moͤchten, ſo weiß man ſchon, was ſolche ſchnacki⸗ ſche Redensarten zu bedeuten haben.“
Die muß eine gute Schule durchgemacht haben, dachte der Hofrath. Siebzehn Jahre alt und ſpricht ſo mir nichts dir nichts von der Farbe, als wäre ſie ſeit zwanzig Jahren in den Salons von Paris und London umhergefahren. Er ärgerte ſich halb und halb über Mamſell Neunmalklug und Uebergeſcheit, denn es waren juſt keine unebenen jungen Männer, die ihre Seufzer ſo hageldick losgelaſſen hatten, und ihn, der in ſeiner Jugend wohl
ſo zwanzig Amouren und Amürchen gehabt hatte, konnte nichts
mehr ärgern, als ein fühlloſes Herz. Aber dieſer Aerger konnte bei ſeinem Idchen nicht in ihm aufſteigen. Wenn er in ihr volles glühendes Auge ſah, wenn


