Alle redeten zumal, keine wurde verſtanden, und die Herren fluchten und ſchimpften ein Donnerwetter über das andere, daß ſich eine ſo dichte Wolke vor dieſe kaum aufgegangene Sonne gedrängt und ſie ihrem Anblick entzogen habe.
Jetzt zog Hofrath Berner das weiße Sacktuch, ſchwenkte es in der Luft und gab dem Kapellmeiſter und Stabstrompeter der Dragoner das Zeichen, und eine herrliche Polonaiſe begann. Im Nu ſtoben die Glückwünſchenden auseinander und machten Raum für die Aſſeſſoren, Lieutenants, Sekretäre, jungen Kaufherren, Jagdjunker, die glücklicherweiſe noch nicht verſagt waren und ſich jetzt um einen Walzer, eine Exroſſaiſe oder gar den Cotillon mit Ida die Hälſe brechen wollten. Sie aber lachte, daß die Schnee⸗ perlen der Zähne durch die Purpurlippen herausſahen, behauptete, ſich immer nur auf eine Tour zu verſagen, hüpfte dem Hofrath entgegen und reichte ihm die kleine Hand.
Selig, gerührt, begeiſtert ſtellte er ſich mit ſeinem holden Engelskinde an die Spitze der Colonne und marſchirte unter den muthigen, lockenden Toͤnen der Polonaiſe ſtolzen Schrittes gegen das wohlunterhaltene feindliche Tirailleurfeuer, das von vorn, von den Flanken, überallher aus den Mündungen der Lorgnetten auf ſeine Tänzerin ſprühte. Aber dieſe, war ſie kurzſichtig, hatte ſie ſtatt des Corſettchens einen Küraſſierpanzer vom feinſten Stahl mit der Musketenprobe um das Herzchen, oder war ſie das Feuer ſo gewohnt, wie die alte Garde, die, Gewehr im Arm, im Paradeſchritt durch das Kartäͤtſchenfeuer marſchirte? Ich weiß nicht, aber ſie ſchien gar nicht auf die ſchrecklichen Ausbrüche der gebrochenen Herzen, auf die Knallſeufzer der Verwundeten zu hoͤren, das Plappermäulchen ging ſo ruhig fort, als ginge ſie, drei Jahre jünger, mit dem guten Hofräthchen im Wald ſpazieren.
Da kamen alle die Streiche, die der leichte Springinsfeld losgelaſſen, alle jene tauſend Suiten des kleinen Uebermuths aufs Tapet. Luſt und Lachen blitzte wie ehemals aus ihrem Auge, wenn ſie ſich erinnerte, wie ſie einem Spanferkel Kindszeug ange⸗
und nebenbei dies und jenes von dem hoffähigen Anzug abſahen.


