Teil eines Werkes 
3. Bd. (1866)
Entstehung
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Ida.

Aller Augen waffneten ſich mit Lorgnetten und Brillen; wer konnte das wunderſchöne Mädchen ſein, ſo hoch und ſchlank mit dem köͤniglichen Anſtand, mit dem ſiegenden Blicke, mit der kräftigen Friſche des jugendlichen Korpers? Sie nickte ſo bekannt nach allen Seiten, als käme ſie alle Tage auf Freilinger Bälle und Aſſembléen; und doch kannte ſie Niemand. Doch ja! Da kommt ja auch der alte Präſident, wahrhaftig! Es kann Niemand anders ſein, als Präſidents Ida!

Aber wie herrlich war dieſes Knöspchen aufgegangen!Welcher Anſtand! bemerkten die Herren.Welche Figur! Welcher Nacken! Wahrhaftig, man mochte ein Mückchen eder noch etwas weniger ſein, nur um darauf ſpazieren zu gehen.Welcher Schmuck, welche Spitzen, welche Stickerei an dem Kleid! bemerkten die Damen und wünſchten ſie weit weg, denn wie ſollten ſie ihre Fähnchen, die ſte doch ihr gutes Geld gekoſtet, ihre Blumen, die ſie ſelbſt gemacht und für wundervoll gehalten hatten, neben dieſen italieni⸗ ſchen Roſen und Aſtern, die eben erſt aus den Gärten der Heſperiden gepflückt zu ſein ſchienen, neben dieſen Kanten ſehen laſſen, von welchen die Elle vielleicht mehr werth war, als eines ihrer Ball⸗ kleider, nebſt Schneidersconto und Facon! Nein, Berner, der arge Berner, haͤtte ihnen keinen ſchlimmern Streich ſpielen können, als dieſe Ida gerade heute einzuführen. Aber man mußte ſich Ge⸗ walt anthun; der Präſident machte das erſte Haus in der Stadt, war der gewaltige Herrſcher der Provinz, eine glänzende Aus⸗ ſicht auf Thees dansants, Soupers, Hausbälle und dergleichen eroͤffnete ſich vor den ſchnell berechnenden Blicken der Damen; wehe der, die dann nicht mit Ida bekannt war oder ſte ſogar kalt empfangen hatte! Man wußte, daß dies der Herr Papa Präſident nie verzeihen würde; man nahm ſich zuſammen, und

in Kurzem war die Gefeierte von allen jungen und alten Damen

umringt, welche Glück wünſchten, alte Bekanntſchaft erneuerten