112 ſo oft gegrüßt hat; erlaubt mir, daß ich mich vor Euch hinſtelle.¹
Georg ließ ſich auf einen Steinſitz am Wege nieder, der Bauer aber fuhr, auf ſeine Art geſtützt, in ſeiner
Erzählung fort:„Ich hatte diesmal bei den unruhigen
Zeiten wenig Luſt zur Wallfahrt, aber„„gebrochener Eid, thut Gott leid,““ heißt es, und ſo mußte ich mein Gelübde vollbringen. Wie ich vom Gebet aufſtand, um dem Abt zu bringen, was recht iſt, ſagte mir einer der Pfaffen, daß ich diesmal nicht zu ſeiner Ehrwürden 1 könne, weil viele Herren und Ritter dort zu Beſuch
ſeien. Ich beſtand aber doch darauf, denn der Abt iſt
ein leutſeliger Herr, und hätte mir's nicht verziehen, wenn ich ihn nicht heimgeſucht hätte. Wenn Ihr je
ins Kloſter hinaus kommt, ſo vergeſſet nicht nach der
Treppe zu ſchauen, die vom Hochaltar zum Dorment führt. Sie geht durch die dicke Mauer, welche die Kirche ans Kloſter ſchließt, und iſt lang und ſchmal. Dort war es, wo mir das Fräulein begegnet iſt. Es kommt mir nämlich ein feines Weibsbild im Schleier mit Bre⸗ vier und Roſenkranz die Treppe herab entgegen; ich drücke mich an die Wand, um ſie vorbei zu laſſen, fie
aber bleibt ſtehen und ſpricht:„Ei Hans, woher des Wegs?“
„Woher kennt Euch denn das Fräulein?“ unter⸗
brach ihn Georg. „Meine Schweſter iſt ihre Amme und— Wie, die alte Roſe iſt Eure Wrnerf eief der junge Mann. „Habt Ihr ſie auch gekannt?“ fragte der Bote.
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