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als gerade jetzt, um den geſunkenen Muth des jungen Mannes zu erheben. Wußte er doch, daß ein Weſen, das Theuerſte, was für ihn auf der Erde lebte, ihn nicht verkannte. Der Schluß jener Zeilen erhob ſein Herz zur alten Freudigkeit, er bot dem guten Boten die Hand, dankte ihm herzlich und fragte, wie er zu dieſen Zeilen gekommen ſei.
„Dacht' ich's doch,“ antwortete dieſer,„daß das Blättchen keinen böſen Zauberſpruch enthalten müſſe. Denn das Fräulein lächelte ſo gar freundlich, als ſie es mir in die rauhe Hand drückte. Es war vergange⸗ nen Mittwoch, als ich nach Blaubeuren kam, wo unſer Kriegsvolk ſtand. Es iſt dort in der Kloſterkirche ein prächtiger Hochaltar, worauf die Geſchichte meines Patrons, des Täufers Johannes vorgeſtellt iſt. Vor ſieben Jahren, als ich in großer Noth und einem ſchmählichen Ende nahe war, gelobte ich alle Jahre um dieſe Zeit eine Wallfahrt dahin. So hielt ich es alle Jahre ſeit der Zeit, da mich der Heilige durch ein Wunder von Henkers Hand errettet hat. Wenn ich
Znun mein Gebet verrichtet hatte, ging ich allemal zum
Herrn Abt, um ihm ein paar ſchöne Gänſe oder ein Lamm zu bringen, oder was er ſonſt gerade gerne hat.
— Aber ich mache Euch Langeweile mit meinen Ge⸗
ſchwätz, Junker?“ „Nein, nein, erzähle nur weiter,“ antwortete Georg,„komm, ſetze Dich zu mir auf jene Bank.“ „Das würde ſich ſchön ſchicken!“ entgegnete der Bote,„wenn ein Bauer an des Junkers Seite ſitzen wollte, den der Oberfeldhauptmann vor Aller Augen


