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„Es kommt darauf an, ob Ihr auch der Rechte ſeid,“ antwortete der Mann.„Sagt einmal, was ge⸗ hört zu Licht und Sturm?“
Georg wunderte ſich ob der ſonderbaren Frage und betrachtete Jenen genauer. Er war nicht groß, aber kräftig; ſeine Bruſt war breit, ſeine Geſtalt gedrungen. Das Geſicht, von der Sonne braun gefärbt, wäre flach und unbedeutend geweſen, wenn nicht ein eigener Zug von Liſt und Schlauheit um den Mund und aus den grauen Augen Muth und Verwegenheit geleuchtet hät⸗ ten. Sein Haar und Bart war dunkelgelb und gerollt, er trug einen langen Dolch im ledernen Gurt, in der einen Hand hielt er eine Art, in der andern eine runde, niedere Mütze von Leder, wie man ſie noch heute bei dem ſchwäbiſchen Landvolk ſieht.
Während Georg dieſe flüchtigen Bemerkungen machte, wurden auch ſeine Züge lauernd beobachtet.
V„Ihr habt mich vielleicht nicht recht verſtanden,
Herr Ritter,“ fuhr Jener nach kurzem Stillſchweigen fort;„was paßt zu Licht und Sturm, daß es zwei gute Namen gibt?“
„Feder und Stein!“ antwortete der junge Mann, dem es auf einmal klar wurde, was unter jener Frage verſtanden ſei;„was willſt Du damit?“
„So ſeid Ihr Georg von Sturmfeder,“ ſagte Je⸗ ner,„und ich komme von Marien von—“
„Um Gottes Willen ſei ſtill, Freund, und nenne keinen Namen,“ ſiel Georg ein,„ſage ſchnell, was Du mir bringſt.“
„Ein Brieflein, Junker!“ ſprach der Bauer, in⸗


