Teil eines Werkes 
14. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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ſchwierig erſchien ihm ſeine Lage! Nichts davon zu ſa⸗ gen, daß alle ſeine goldenen Träume, alle jenen kühnen Hoffnungen von Ruhm und Ehre mit einemmale ver⸗ ſchwanden; nichts davon zu ſagen, daß auch ſein Ziel, das ſo nahe lag, Marien durch Kriegsdienſte zu verdie⸗ nen, ungewiß in die Weite hinausgerückt war, er ſollte auf die Gefahr hin, von Männern, deren Achtung ihm theuer war, verkannt zu werden, dieſe Fahnen ver⸗ laſſen, gerade in einem Augenblick, wo man der Ent⸗ ſcheidung entgegenging. Von Tag zu Tag, ſo lange es ihm nur möglich war, verſchob er dieſe Erklärung; wo ſollte er Gründe, wo Worte hernehmen, vor dem alten tapfern Degen Breitenſtein, ſeinem väterlichen Freunde ſeinen Abzug zu rechtfertigen? Mit welcher Stirne ſollte er vor den edlen Frondsberg treten? Ach, jene freundlichen Grüße, womit er den Sohn ſeines tapfern Waffengenoſſen zu freudigem Kampfe aufzumuntern ſchien, hatten ihn mit tauſend Qualen gefoltert. An ſeiner Seite war ſein Vater gefallen, er hatte gehört, wie der Sterbende den Ruhm ſeines Namens und ein leuchten⸗ des Beiſpiel als einziges Erbe dem unmündigen Kna⸗ ben zuſandte; dieſer Mann war es, der ihm jetzt ſo lie⸗ bevoll die Schranken öffnete, und auch ihm mußte er in ſo zweideutigem Lichte erſcheinen.

Er hatte ſich unter dieſen trüben Gedanken langſam dem Thore der Stadt genähert, als er ſich plötzlich am Arm ergriffen fühlte; er ſah ſich um, ein Mann, dem Anſchein nach ein Bauer, ſtand vor ihm.

Was willſt Du? fragte Georg etwas unwillig, in ſeinen Gedanken unterbrochen zu werden.