Teil eines Werkes 
14. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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Der Obermeiſter hatte während ſeiner eifrigen Re⸗ den den alten Johann an der Bruſt gepackt und ſeine Stimme ſo erhoben, daß die Umſtehenden aufmerkſam wurden; der Meiſter Schmied hielt es daher für das Beſte, den Erzürnten mit Gewalt wegzuziehen, und er verhütete ſo zwar weitere Streitigkeiten, doch konnte er nicht verhüten, daß es ſchon Mittags in der ganzen. Stadt hieß: Herr von Kraftens Johann habe noch in ſeinen alten Tagen eine Liebſchaft mit des Obermeiſters Töchterlein, und ſei von dem erzürnten Vater auf der Wieſe darüber zur Rede geſtellt worden.

Die Übungen des Fußvolkes waren indeß zu Ende gegangen, das Volk verlief ſich, und auch den jungen Mann, der die unſchuldige Urſache zu jenem Streit ge⸗ weſen war, ſah man ſeine Schritte der Stadt zuwen⸗ den; ſein Gang war langſam und ungleich, ſein Geſicht ſchien bleicher als ſonſt, ſeine Blicke ſuchten noch immer den Boden oder ſchweiften mit dem Ausdruck von Sehn⸗ ſucht oder ſtillem Gram nach den fernen blauen Bergen, den Grenzmauern von Würtemberg.

Noch nie hatte ſich Georg von Sturmfeder ſo un⸗ glücklich gefühlt als in dieſen Stunden. Marie war mit ihrem Vater abgereist; ſie hatte ihn noch einmal be⸗ ſchwören laſſen, ſeinem Verſprechen treu zu ſein, und wie unglücklich machte ihn dieſes Verſprechen! Wohl hatte es ihn damals nicht geringen Kampf gekoſtet, es zu geben; aber der betäubende Schmerz des Abſchiedes, der Gram des geliebten Mädchens hatten überwunden. Doch jetzt, wo er mit feſterem Blicke ſeinen Umge⸗ bungen, ſeiner Zukunft ins Auge ſah, wie traurig, wie