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Hexe— Gott veizeih mirs— hätte ich ſchon lange auf die Straße geworfen, wo ſie hingehört. Hat der Herr doch ſein gutes Alter, und ſoll ſich behandeln laſ⸗ ſen, als läge er noch in den Windeln.“
„Ihr habt gut reden, Meiſter Kohler,“ anthortete
der alte Diener,„aber das verſteht Ihr doch nicht recht.
Auf die Gaſſe werfen? Wer ſoll denn nachher haus⸗
halten? ¹
„Wer?“ ſchrie der erhitzte Weber.„Wer? Ein Weib ſoll er nehmen, eine Hausfrau wie ein anderer Chriſt und Ulmer Bürger auch; was hat er nöthig, als Junggeſelle zu leben und allen Mädchen in der Stadt
nachzulaufen? Hab' ich ihn nicht neulich angetroffen,
wie er meiner Katharine ſchön gethan hat? Schiff und Geſchirr hätte ich ihm mögen an den Kopf werfen, dem
geſtrengen Herrn, ſo aber— ſeine Mutter ſelig hat manch ſchönes Tafelſtück bei mir weben laſſen, die brave
Frau— ſo mußte ich meine Mütze abziehen und ſagen: „„ Gehorſamen guten Abend, und was befehlen Euer Wohledlen?““ Daß dich der— 4
„Ei ſchau' Einer!“ ſagte Johann mit unmuthigem Geſicht;„ich habe immer gedacht, ein Herr wie der Rathsſchreiber, mein Herr, könne in allen Ehren ein Wort mit Eurem Töchterlein wechſeln, ohne daß die böſe Welt—⸗
„So? Ein Wort wechſeln, und Abends nach der
Veſperglock' im März? Er heirathet ſie doch nicht, und
meint Ihr meines Kindes guter Ruf müſſe nicht ſo rein ſein wie Eures Herrn weiße Halskrauſe? Das könnt, ich brauchen!“


