Teil eines Werkes 
14. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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ihm vor ihren Augen zu Theil ward. Schon ſeine Stel⸗ lung, das Haupt geſenkt, die Arme über die Bruſt ge⸗ kreuzt, ſchien nicht anſtändig genug für einen feinen Junker, wenn er von einem alten Kriegshelden ge⸗ grüßt wurde. Überdies erröthete er bei jedem Gruß des Feldhauptmanns, dankte nur durch ein leichtes Neigen, und ſah ihm mit ſo düſteren Blicken nach, als gälte es ein langes Scheiden, und dieſer Gruß wäre der letzte eines lieben Freundes geweſen.

Ein ſonderbarer Kauz der Junker dort, ſagte der Obermeiſter aller Ulmer Weber zu ſeinem Nach⸗ bar, einem wackern Waffenſchmied;ich gäbe mein Sonntagswamms um einen ſolchen Gruß von dem Frondsberger, und dieſer da muckt nicht darüber. Hieße es nicht in der ganzen Stadt: Was hat der Meiſter Kohler mit dem Frondsberg? Waren ja neulich mit einander wie zwei Brüder. O, die kennen einander ſchon lange, hieß es dann, ſind gute Freunde von Al⸗ ters her. Ich kann mich ordentlich ärgern, daß ein ſo geſcheiter und gewaltiger Herr ſolch einen Laffen all Paternoſterlang grüßt.)

Der Waffenſchmied, ein kleiner, alter Kerl, hatte ihm ſeinen Beifall zugenickt.Gott ſtraf mich, Ihr habt Recht, Meiſter Kohler! Stehen nicht dort ganz andre Leut', die er grüßen könnte? Iſt nicht der Herr Bürgermeiſter auf dem Platz, und ſteht dort nicht mein Gevatter, der Herr von Beſſerer, am Eck? Ich wollt' dem Junker den Kopf beugen lernen, wenn ich Herr wäre; aber glaubt mir, der da beugt ſeinen Nacken nicht, und wenn der Kaiſer ſelbſt käme. Er muß auch

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