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ſchen aus allen Ständen auf jener Wieſe verſammelt, um dieſen Übungen Frondsbergs zuzuſehen. Sie be⸗ trachteten dieſen Mann, dem ein ſo großer Ruf voran⸗ gegangen war, vielleicht nicht mit geringerem In⸗ tereſſe als wir, wenn wir die kaiſerlichen oder könig⸗ lichen Söhne des Mars die Dienſte eines Feldherrn verrichten ſahen. Knüpft ſich doch ja gerade an die Perſon eines ausgezeichneten Führers das Intereſſe, das dem ganzen Heere gilt, ja wir meinen oft, die Schlachten, von denen uns die Sage oder öffentlichen Blätter erzählen, um ſo deutlicher zu verſtehen, wenn wir uns die Geſtalt des Heerführers vor das Auge zu⸗ rückrufen können.
So mochte es wohl auch damals den Bewohnern von Ulm zu Muth ſein, wenn ſie ihre engen Straßen verließen um den Mann des Tages in ſeinem Handwerk zu ſehen. Die Geſchicklichkeit, mit der er ſein Fußvolk, das ſonſt in zerſtrenten Haufen gefochten hatte, zu ge⸗ ſchloſſenen Maſſen vereinigte; die Schnelligkeit, womit ſte ſich nach ſeinem Winke nach allen Seiten ſchwenkten oder in furchtbare, von Piken und Donnerbüchſen ſtarrende Kreiſe zuſammen zogen; ſeine mächtige Stimme, die ſelbſt die Trommeln übertönte, ſeine er⸗ habene, kriegeriſche Geſtalt, dies Alles gewährte ein ſo neues, anziehendes Bild, daß auch die bequemſten Bürger es nicht ſcheuten, einen langen Vormittag auf dem Anger zu ſtehen und dieſes Schauſpiel zu genießen.
Der Feldhauptmann ſchien an dieſem Morgen noch freundlicher und fröhlicher zu ſein als ſonſt. Mochte ihn der warme Antheil, den die guten Ulmer an ihm
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