VIII.
Im ſtillen Kloſtergarten Eine bleiche Jungfrau ging; Der Mond beſchien ſie trübe, An ihrer Wimper hing Die Thräne zarter Liebe. Uhland.
Ulm glich in den nächſten Tagen einem großen La⸗ ger. Statt der friedlichen Landleute, der geſchäftigen Bürger, die ſonſt ehrbaren und ruhigen Schrittes ihrem Gewerbe nach durch die Straßen gingen, ſah man überall nur wunderliche Geſtalten mit Sturmhauben und Eiſenhüten, mit Lanzen, Armbrüſten und ſchweren Büchſen. Statt der Rathsherren, in ihrer einfachen ſchwarzen Tracht, zogen ſtolze Ritter, mit wehenden Helmbüchſen, ganz mit Stahl bedeckt, begleitet von einer großen Schaar bewaffneter Dienſtleute, über die Plätze und Märkte. Noch lebhafter war dies kriegeriſche Bild vor den Thoren der Stadt; auf einem Anger an der Donau übte Sickingen ſeine Reiterei, auf einem großen Blachfelde gegen Söflingen hin pflegte Fronds⸗
berg ſein Fußvolk zum tummeln.
An einem ſchönen Morgen, elwa drei bis vier Tage, nachdem Marie von Lichtenſtein mit ihrem Vater Ulm verlaſſen hatte, ſah man eine ungeheure Menge Men⸗


