Teil eines Werkes 
14. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

99

Dietrich führte das Wort, indem er in wohlgeſetzten Worten ſeinen Jammer beſchrieb, daß ſeine Baſe mor⸗ gen ſchon Ulm verlaſſen werde. Aber Bertha mochte in Georgs Augen geleſen haben, daß ihm noch etwas zu wünſchen übrig bleibe, wobei der uneingeweihte Zeuge überflüſſig war. Sie zog den Vetter an ihre Seite und befragte ihn ſo eifrig uͤber eine Pflanze, die gerade zu ſeinen Füßen mit ihren erſten Blättern aus der Erde ſproßte, daß er nicht Zeit hatte, zu beobachten, was hinter ſeinem Rücken vorgehe.

Schnell benützte Georg dieſen Augenblick, Marien noch einmal an ſein Herz zu ziehen, aber das Rauſchen von Mariens ſchwerem ſeidenen Gewande, Georgs klirrendes Schwert weckten den Rathsſchreiber aus ſei⸗ nen botaniſchen Betrachtungen. Er ſah ſich um, und o Wunderl er erblickte die ernſte, züchtige Baſe in den Armen ſeines Gaſtes.

Das war wohl ein Gruß an die liebe Baſe in Franken? fragte er, nachdem er ſich von ſeinem Er⸗ ſtaunen erholt hatte.

Nein, Herr Rathsſchreiber, antwortete Georg, es war ein Gruß an mich ſelbſt, und zwar von der, die ich einſt heimzuführen gedenke. Ihr habt doch nichts dagegen, Vetter?

Gott bewahre! Ich gratulire von Herzen, ant⸗ wortete Herr Dietrich, der von dem ernſten Blick des jungen Kriegsmannes und von Mariens Thränen etwas eingeſchüchtert wurde. Aber der tauſend, das heiß' ich veni, vidi, vici. Ich ſcherwenzte ſchon ein Vierteljahr um die Schöne, und habe mich kaum eines Blickes er⸗