Teil eines Werkes 
14. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

98

winkte, der Liebe zum Opfer zu bringen weiß, ſo höre mich: Hinüber zu Euch darf ich nicht. Aber ablaſſen will ich von dem Bunde, möge kämpfen und ſiegen wer da will mein Kampf und Sieg war ein Traum, er iſt zu Ende!

Marie ſandte einen Blick des Dankes zum Himmel und belohnte die Worte des jungen Mannes mit ſüßem Lohne.O glaube mir, ſagte ſie,ich fühle, wie viel Dich dieſes Opfer koſten muß. Aber ſieh mir nicht ſo traurig an Dein Schwert hinunter. Wer frühe ent⸗ ſagt, der erntet ſchön, ſagt mein Vater; es muß uns doch auch einmal die Sonne des Glückes ſcheinen. Jetzt kann ich getroſt von Dir ſcheiden; denn wie auch der Krieg ſich enden mag, Du kannſt ja frei vor meinen Vater treten, und wie wird er ſich freuen, wenn ich ihm ſage, welch ſchweres Opfer Du gebracht haſt!

Bertha's helle Stimme, die der Freundin ein Zei⸗ chen gab, daß der Rathsſchreiber nicht mehr zurückzu⸗ halten ſei, ſchreckte die Liebenden auf. Schnell trocknete Marie die Spuren ihrer Thränen und trat mit Georg auz der Laube. 4

Vetter Kraft will aufbrechen, ſagte Bertha,er fragt, ob der Junker ihn begleiten wolle 2*

Ich muß wohl, wenn ich den Weg nach Hauſe nicht verfehlen ſoll, antwortete Georg; ſo theuer ihm die letzten Augenblicke vor einer langen Trennung von Marie geweſen wären, ſo kannte er doch die ſtrenge Sitte ſeiner Zeit zu gut, als daß er ohne den Vetter, als Landfremder bei den Mädchen geblieben wäre.

Schweigend gingen ſie den Garten hinab, nur Herr