Teil eines Werkes 
14. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

97

Herzog zuführen! Ein Schwert wiegt viel in ſolchen Zeiten, ſagte er oft, er wird es Dir hoch anſchlagen, wenn Du ihm folgſt, an ſeiner Seite wirſt Du käm⸗ pfen, mein Herz wird dann nicht zerriſſen, nicht getheilt ſein zwiſchen jenſeits und dieſſeits. Mein Gebet, wenn es um Glück und Sieg fleht, wird nicht zitternd zwiſchen beiden Heeren irren!

Halt ein! rief der Jüngling und bedeckte ſeine Augen, denn der Sieg der überzeugung ſtrahlte aus ihren Blicken, die Gewalt der Wahrheit hatte ſich auf ihren ſüßen Lippen gelagert.Willſt Du mich bereden, ein überläufer zu werden? Geſtern zog ich mit dem Heere ein, heute wird der Krieg erklärt und morgen ſoll ich zu dem Herzog hinüberreiten? Kann Dir meine Ehre ſo gleichgültig ſein?

Die Ehre? fragte Marie und Thränen entſtürz⸗ ten ihrem Auge.Sie iſt Dir alſo theurer als Deine Liebe? Wie anders klang es, als mir Georg ewige Treue ſchwur! Wohlan. Sei glücklicher mit ihr als mit mir! Aber möge Dir, wenn Dich der Herzog von Baiern auf dem Schlachtfelde zum Ritter ſchlägt, weil Du in unſern Fluren am ſchrecklichſten gewüthet, wenn er Dir ein Ehrenkettlein umhängt, weil Du Würtem⸗ bergs Burgen am tapferſten gebrochen, möge Dir der Gedanke Deine Freude nicht trüben, daß Du ein Herz brachſt, das Dich ſo treu, ſo zärtlich liebte!

Geliebte! antwortete Georg, deſſen Bruſt wider⸗ ſtreitende Gefühle zerriſſen,Dein Schmerz läßt Dich nicht ſehen, wie ungerecht Du biſt. Doch es ſei, daß Du ſieheſt, daß ich den Nuhm, der mir ſo freundlich

W. Hauffs Werke, XIVv. 7