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des Landes verpraßt und ſeine Bauern verſchmachten läßt?"
„Ja, ſo ſchildern ihn ſeine Feinde,“ antwortete Marie,„ſo ſpricht man von ihm in dieſem Heere; aber frage dort unten an den Ufern des Neckars, ob ſie ihren angeſtammten Fürſten nicht lieben, wenn gleich ſeine Hand zuweilen ſchwer auf ihnen ruht. Frage jene Männer, die mit ihm ausgezogen ſind, ob ſie nicht freudig ihr Blut für den Enkel Eberhards geben, ehe ſie dieſem ſtolzen Herzog von Baiern, die⸗ ſen räuberiſchen Edlen, dieſen Städtlern ihr Land abtreten.“*
Georg ſchwieg eine Zeitlang nachdenklich.„Aber wie entſchuldigen denn dieſe warmen Vertheidiger den Mord des Hutten?“ fragte er.
„Ihr ſprecht immer von Eurer Ehre,“ antwortete Marie,„und wollt nicht leiden, daß ein Herzog ſeine Ehre vertheidige? Hutten iſt nicht meuchelmoͤrderiſch gefallen, wie ſeine Anhänger in alle Welt ausgeſchrieen haben, ſondern im ehrlichen Kampfe, worin der Her⸗ zog ſelbſt ſein Leben einſetzte. Ich will nicht Alles vertheidigen, was er that. Aber man ſoll nur auch bedenken, daß ein junger Herr, wie der Herzog, von ſchlechten Räthen umgeben, nicht immer weiſe handeln kann. Aber er i*ſt gewiß gut, und wenn Du wüßteſt, wie mild, wie leutſelig er ſein kann!“
„Es fehlt nur noch, daß Du ihn auch den ſchönen Herzog nennſt,“ ſagte Georg bitter lächelnd.„Du
* Vergk. Anmerk. S. 22.


