93
Vogelweide als einen guten Troſt beim Scheiden. Bertha beſtätigte es.„Ich weiß noch einen Reim,“ ſagte ſie lächelnd und ſang:
Und zog ſie auch weit in das Schwabenland,
Seine Aunen ſchauen durch Mauer und Wand,
Seine Blicke bohren durch Fels und Stein, 2
Er ſchaut durch die Alb nach dem Lichtenſtein!
Als Bertha noch im Nachſpiel zu ihrem Liedchen begriffen war, ging die Gartenpforte. Männertritte tönten den Gang herauf und die Mädchen ſtanden auf, die Erwarteten zu empfangen.
„Herr von Sturmfeder,“ begann Bertha nach den erſten Begrüßungen,„verzeihet doch, daß ich es wagte, Euch in meines Vaters Garten einzuladen. Aber meine Baſe Marie wünſcht Euch Aufträge an eine Freundin zu geben.— Nun, und daß wir Andern nicht zu kurz kommen,“ ſetzte ſie zu Herrn Kraft gewandt hinzu, „ſo wollen wir eins plandern und den Abendtanz von geſtern muſtern.“ Damit ergriff ſie ihres Vetters Hand und zog ihn mit ſich den Gang hinab.
Georg hatte ſich zu Marie auf die Bank geſetzt. Sie lehnte ſich an ſeine Bruſt und weinte heftig. Die ſüßeſten Worte, die er ihr zuflüſterte, vermochten nicht, ihre Thränen zu ſtillen.„Marie,“ ſagte er,„Du warſt ja ſonſt ſo ſtark, wie kannſt Du nun gerade jetzt allen Glauben an ein beſſeres Geſchick, alle Hoffnung aufgeben 24
„Hoffnung?“ fragte ſie wehmüthig,„mit unſerer Hoffnung, mit unſerem Glück iſt es für ewig aus.“
„Sieh,“ antwortete Georg,„eben dies kann ich


