Teil eines Werkes 
14. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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auch jede ihrer raſchen lebhaften Bewegungen zum Ge⸗ genſatz gegen jene ſtille Trauer.

Bertha ſchien ihre roſigſte Lanne hervorgeholt zu haben, um ihre Baſe zu tröſten, oder doch ihren großen Schmerz zu zerſtreuen. Sie erzählte und ſchwatzte, ſie lachte und ahmte die Geberden und Sprache vieler Leute nach, ſie verſuchte alle jene tauſend kleinen Künſte, wo⸗ mit die Natur ihre fröhliche Tochter ausſtattete. Aber wir glauben, daß ſie wenig ausrichtete, denn nur hie und da gleitete ein wehmüthiges, ſchnell verſchwebendes Lächeln über Mariens feine Züge hin.

Endlich griff ſie, als gar nichts mehr helfen wollte, ihre Laute, die in der Ecke ſtand. Marie beſaß auf die⸗ ſem Inſtrument große Fertigkeit, und Bertha hätte ſich ſonſt nicht ſo leicht bewegen laſſen, vor der Meiſterin zu ſpielen. Doch heute hoffte ſie durch ihr Geklimper we⸗ nigſtens ein Lächeln ihrer Baſe zu entlocken. Sie ſetzte ſich mit großem Ernſte nieder und begann:

Fragt mich Jemand, was iſt Minne? Wüßt' ich gern auch darum meh(r). Wer nun recht darüber ſinne,

Sag' mir, thut ſie weh?

Minne iſt Liebe, thut ſie wohl;

Thut ſie weh, heißt ſie nicht Minne. O, dann weiß ich wie ſie heißen ſoll.

Wo haſt Du dies alte ſchwäbiſche Liedchen her? fragte Marie, die der einfachen Muſik und dem lieb⸗ lichen Text gern ihr Ohr lieh.

Nicht wahr, es iſt hübſch? Aber es kommt noch viel hübſcher, wenn Du. hören willſt, antwortete Bertha.Das hat mich in Nürnberg ein Meiſterſänger,