Teil eines Werkes 
14. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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die Reihen, und brach nur in ein kurzes Gelächter aus, wenn eiwa die alten, ſtrengen Stadtwächter eine hüb⸗ ſche Dirne, die ſich zu vorlaut in den freigelaſſenen Raum gedrängt hatte, etwas unſanft mit dem Ende ihrer langen Hellebarde zurückdrängten, oder wenn ein Schalk ſich den Spaß machte,ſie kommen! ſie kom⸗ men! rief, alles lange Hälſe machte und ſchaute, bis es ſich zeigte, daß man ſich wieder getäuſcht habe.

Noch dichter aber war das Gedränge da, wo die Herdbruckergaſſe auf den Platz vor dem Rathhaus ein⸗ biegt. Dort hatten ſich die Zünfte aufgeſtellt. Die Schiffergilde mit ihren Altmeiſtern an der Spitze, die Weber, die Zimmerer, die Bräuer, mit ihren Fahnen und Gewerbzeichen, ſie alle waren im Sonntagswamms und wohlbewaffnet zahlreich dort verſammelt.

Bot aber ſchon die Menge hier unten einen fröh⸗

lichen, feſtlichen Anblick dar, ſo war dies noch mehr der

Fall mit den hohen Häuſern der Straße ſelbſt. Bis an die Giebeldächer waren alle Fenſter voll geputzter Frauen und Mädchen, um welche ſich die grünen Tannen⸗ und Taxuszweige, die bunten Teppiche und Tücher, mit welchen die Seiten geſchmückt waren, wie Rahmen um liebliche Gemälde zogen.

Das anmuthigſte Bild gewährte wohl ein Erker⸗ fenſter am Hauſe des Herrn Hans von Beſſerer. Dort ſtanden zwei Mädchen, ſo verſchieden an Geſicht, Ge⸗ ſtalt und Kleidung, und doch Beide von ſo ausgezeich⸗

neter Schönheit, daß, wer ſie von der Straße betrachtete,

eine Weile zweifelhaft war, welcher er wohl den Vor⸗ zug geben möchte.