Teil eines Werkes 
14. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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Wir haben faſt alle gleichzeitige Schriftſteller, die Stimmen eines längſtvergangenen vielbewegten Jahr⸗ hunderts gewiſſenhaft verglichen, und fanden keinen, der ihn geradehin verdammt. Und wenn man bedenkt, welch gewaltigen Einfluß Zeit und Umgebungen auf den Sterblichen auszuüben pflegen, wenn man bedenkt, daß Ulerich von Würtemberg unter der Vormundſchaft ſchlechter Räthe aufwuchs, die ihn zum Böſen anleite⸗ ten, um ihn nachher zu mißbrauchen, wenn man ſich erinnert, daß er in einem Alter die Zügel der Regie⸗ rung in die Hände bekam, wo der Knabe kaum zum Jüngling reif iſt, ſo muß man wenigſtens die erhabe⸗ nen Seiten ſeines Charakters, hohe Seelenſtärke und einen Muth, der nie zu unterdrücken iſt, bewundern, ſollte man es auch nicht über ſich vermögen, die Här⸗ ten damit zu mildern, die in ſeiner Geſchichte das Auge

beleidigen.

Das Jahr 1519, in welches unſere Sage fällt, hat über ihn entſchieden, denn es iſt der Anfang ſeines langen Unglückes. Doch darf die Nachwelt ſagen, es war der Anfang ſeines Glückes. War ja doch jene lange Verbannung ein läuterndes Feuer, woraus er weiſe und kräftiger als je hervorging. Es war der Anfang ſeines Glückes, denn ſeine ſpäteren Regenten⸗ jahre wird jeder Würtemberger ſegnen, der die religiöſe Umwälzung, die dieſer Fürſt in ſeinem Vaterlande be⸗ werkſtelligte, für ein Glück anſieht.

In jenem Jahr war Alles auf die Spitze geſtellt. Der Aufruhr des armen Konrad war ſechs Jahre frü⸗ her mit Mühe geſtillt worden. Doch war das Landvolk

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