Teil eines Werkes 
16. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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So reiche Saaten, Wälder von Obſt, und dort unten, wo die Hügel bläulicher werden, ein Garten von Wein! Ich habe noch keinen Fürſten beneidet, aber hier ſtehen zu können, hinaus zu blicken von dieſer Höhe und ſagen zu können, dieſe Gefilde ſind mein!

Ein tiefer Seufzer in ihrer Nähe ſchreckte Marien und Georg aus ihren Betrachtungen auf. Sie ſahen ſich um, wenige Schritte von ihnen ſtand im Fenſter der Geächtete, und blickte mit trunkenen, glänzenden Blicken über das Land hin, und Georg war ungewiß, ob jene Worte oder das Andenken an ſein Unglück die Bruſt dieſes Mannes bewegt hatten.

Er begrüßte Georg und reichte ihm die Hand. Dann wandte er ſich zu dem Herrn des Schloſſes und fragte, ob noch immer keine Botſchaft da ſei?Der von Schweinsberg iſt noch nicht zurück, antwortete dieſer.

Der Geächtete trat ſchweigend an das Fenſter zu⸗ rück und ſchaute in die Ferne. Marie füllte ihm einen Becher.Seid getroſten Muthes, Herr, ſagte ſie, ſchauet nicht mit ſo finſtern Blicken auf das Land. Trinket von dieſem Wein, er iſt gut würtembergiſch und wächst dort unten an jenen blauen Bergen.

Wie kann man traurig bleiben, antwortete er, indem er ſich wehmüthig lächelnd zu Georg wandte, wenn über Würtemberg die Sonne ſo ſchön aufgeht, und aus den Augen einer Würtembergerin ein ſo mil⸗ der blauer Himmel lacht? Nicht wahr, Junker, was ſind dieſe Berge und Thäler, wenn uns ſolche Augen,

ſolche treue Herzen bleiben? Nehmt Euren Becher unnd