dringt, aber dieſe lieblichen Gefilde zeigen ſie nicht.
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vorbei an den Mauern von Achalm, dringt rechts und links das Auge tiefer ins Land. Der Lichtenſtein liegt den Wolken ſo nahe, daß er Würtemberg überragt. Bis hinab ins tiefſte Unterland können frei und unge⸗ hindert die Blicke ſtreifen. Entzückend iſt der Anblick, wenn die Morgenſonne ihre ſchrägen Strahlen über Würtemberg ſendet. Da breiten ſich dieſe herrlichen Gefilde wie ein bunter Teppich vor dem Auge aus. In dunklem Grün, in kräftigem Braun der Berge beginnt es. Alle Farben und Schattirungen find in dieſem wundervollen Gewebe, das in lichtem Blau ſich endlich mit der Morgenröthe verſchmilzt. Welche Ferne von Lichtenſtein bis Aſperg, und welches Land dazwiſchen! Es iſt kein Flachland, keine Ebene. Viele Wellungen von Hügeln und Bergen ziehen ſich hinauf und herun⸗ ter, und von Hügeln zu Hügeln, welche breite Thäler und Ströme in ihrem Schoße bergen, hüpft das Auge zu dem fernen Horizont.
Georg betrachtete bewundernd. Er ſtrengte ſein Auge mehr und mehr an, er ſuchte in die Weite zu dringen, und jedes Schloß, jedes Dorf in der weiten Ausſicht zu unterſcheiden. Marie ſtand neben ihm. Sie theilte ſeine Bewunderung, obgleich ſie ſeit ihrer frü⸗ heſten Kindheit dieſes Schauſpiel genoſſen. Sie zeigte ihm flüſternd jeden Fleck, ſie wußte ihm jede Thurm⸗ ſpitze zu nennen.„Wo iſt eine Stelle in deutſchen Lan⸗ den,“ ſprach Georg in dieſen Anblick verſunken,„die ſich mit dieſer meſſen könnte! Ich habe Ebenen geſehen und Höhen erſtiegen, von wo das Auge noch weiter
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