Teil eines Werkes 
16. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

44

115

zu müſſen! Wahrlich es iſt hart! Und dies Alles, weil er ſeinem Herrn treu war und jene Bündler nach ſeinen Gütern gelüſteten.

Der Mann dort hat Manches verfehlt in ſeinem Leben, ſprach der Ritter von Lichtenſtein mit tiefem Ernſt.Ich habe ihn beobachtet ſeit den Tagen ſeiner Kindheit bis zu dieſer Stunde; ich kann ihm das Zeug⸗ niß geben, er hat das Gute und Rechte gewollt. Zu⸗ weilen waren die Mittel falſch, die er anwandte, zu⸗ weilen verſtand man ihn nicht, zuweilen ließ er ſich von der Hitze der Leidenſchaft hinreißen aber wo lebt der Menſch, von dem man dies nicht ſagen könnte? Und wahrlich, er hat es grauſam gebüßt! Er hielt inne, als hätte er ſchon mehr geſagt, als er ſagen wollte, und umſonſt ſuchte Georg über den Vertriebenen mehr zu erfahren. Der Alte verſank in Stillſchweigen und tiefes Sinnen.

Die Sonne war über die Berge heraufgekommen, die Nebel fielen, Georg trat ans Fenſter, die herrliche Ausſicht zu genießen. Unter dem Felſen von Lichten⸗ ſtein, wohl dreihundert Klafter tief, breitet ſich ein liebliches Thal aus, begrenzt von waldigen Höhen, durchſchnitten von einem eilenden Waldbach. Drei Dörfer liegen freundlich in der Tiefe. Dem Auge, das in dieſes Thal hinabſieht, iſt es, als ſchaue es aus dem Himmel auf die Erde. Steigt das Auge vom tiefen Thale aufwärts an den waldigen Höhen, ſo begegnet es maleriſch gruppirten Felſen und den Bergen der Alb; hinter dem Bergrücken ſteigt die Burg Achalm

hervor und begrenzt die Ausſicht in der Nähe. Aher