Teil eines Werkes 
16. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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Ahnenbilder der Lichtenſteiner ſchmückten die Wand, welche kein Fenſter hatte, und Tiſch und Geräthſchaf⸗ ten zeigten, daß der Ritter von Lichtenſtein ein Freund alter Sitten und Zeiten ſei, und ſeinen Hausrath, wie er ihn vom Großvater empfangen hatte, auch auf die Tochter vererben wolle. Vor einem großen Tiſch in der Mitte des Zimmers ſaß der Herr des Schloſſes. Er hatte ſein Kinn und den langen Bart auf die Hand ge⸗ ſtützt, und ſchaute finſter und regungslos in einen Be⸗ cher, der vor ihm ſtand. Die Weinkannen und Deckel⸗ krüge auf dem Tiſch, der Becher vor dem alten Herrn machte, daß man ungewiß war, ob er die Nacht beim Becher zugebracht habe, oder ob er ſo frühe am Tage ſich durch einen guten Trunk Kräfte ſammeln wolle..

Er grüßte ſeinen jungen Gaſt, als dieſer an den Tiſch zu ihnen getreten war, durch ein leichtes Neigen des Hauptes, indem ein kaum bemerkliches Lächeln um ſeinen Mund zog. Er wies auf einen Becher und einen Stuhl zu ſeiner Seite. Marie verſtand den Wink, ſchenkte einen Becher voll und kredenzte ihn dem Ge⸗ liebten mit jeuer holden Anmuth, die Allem, was ſie that, einen eigenthümlichen Stempel aufdrückte. Georg ſetzte ſich an die Seite des Alten und trank.

Dieſer rückte ihm näher und flüſterte ihm mit hei⸗ ßerer Stimme zu:Ich fürchte, es ſteht ſchlimm! 4

Habt Ihr Nachricht? fragte Georg eben ſo

heimlich.

Ein Bauer ſagte mir heute frühe, geſtern Abend haben die Tübinger mit dem Bunde gehandelt. 3 Gott im Himmel! rief Georg unwillkürlich aus.