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„Das könnet Ihr!“ ſagte Marie, indem ſie ihm lächelnd ihre Hand entzog und mit dem Licht voranging. „Aber machet Euch immer auf eine abſchlägige Ant⸗ wort gefaßt, denn über dieſen Punkt ſpaßter nicht gerne.“
„Ja, er iſt verdammt eiferſüchtig,“ entgegnete der Ritter im Weiterſchreiten.„Ich könnte Euch davon eine Geſchichte erzählen, die mir ſelbſt mit ihm begeg⸗ net iſt. Aber ich habe verſprochen, zu ſchweigen.“—
Ihre Stimmen entfernten ſich immer mehr und wurden undeutlicher. Georg ſchöpfte wieder freier Athem. Er lauſchte und harrte noch in ſeiner Niſche, bis er Niemand mehr auf den Treppen und Gängen hörte. Dann verließ er ſeinen Platz und ſchlich nach ſeiner Kammer zurück. Die letzten Worte Mariens und des Geächteten lagen noch in ſeinen Ohren. Er ſchämte ſich ſeiner Eiferſucht, die ihn auch in dieſer Nacht wie⸗ der unwillkührlich hingeriſſen hatte, wenn er bedachte, ich welch unwürdigem Verdacht er die Geliebte gehabt,
und wie rein ſie in dieſem Augenblick vor ihm geſtanden
ſei. Er verbarg ſein erröthendes Geſicht tief in den Kiſ⸗ ſen, und erſt ſpät entführte ihn der Schlummer dieſen quälenden Gedanken..
Als er am andern Morgen in die Herrenſtube hin⸗ abging, wo ſich um ſieben Uhr gewöhnlich die Familie zum Frübſtück verſammelte, kam ihm Marie mit ver⸗ weinten Augen entgegen. Sie führte ihn auf die Seite und flüſterte ihm zu:„Tritt leiſe ein, Georg! Der Ritter aus der Höhle iſt im Zimmer. Er iſt vor einer Stunde ein wenig eingeſchlummert. Wir wollen ihm dieſe Ruhe gönnen!“ 1


