Teil eines Werkes 
16. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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Alles hat ſeinen Preis. Nun, was wird mir dafür? Marie ſchlug die Augen nieder.Ein ſchöner Dank, ſagte ſie:aber kommt, Herr, der Vater wird ſchon längſt auf uns warten.

Sie wollte vorangehen, der Geächtete aber ergriff ihre Hand und hielt ſie auf. Georgs Herz pochte bei⸗ nahe hörbar, es wurde ihm bald heiß, bald kalt, er

faßte den Thorflügel, und wäre nahe daran geweſen,

die Fürſprache um einen fixen Preis zu verbitten. Warum ſo eilig? hörte er den Mann der Höhle ſagen.Nun, ſei es um ein Küßchen, ſo will ich lo⸗ ben und preiſen, daß Dein Vater ſogleich den Pfaffen holen läßt, um das heilige Sakrament der Ehe an Euch zu vollziehen. Er ſenkte ſein Haupt gegen Marien

herab, Georg ſchwindelte es vor den Augen, er war im

Begriff, aus ſeinem Hinterhalt hervorzubrechen. Das Fräulein aber ſah jenen Mann mit einem ſtrafenden Blick an.Das kann unmöglich Euer Gnaden Ernſt

ſein, ſagte ſie,ſonſt hättet Ihr mich zum leskennmal 4

geſehen.

Wenn Ihr wüßtet, wie erhaben und ſchön Euch dieſer Trotz ſteht, ſagte der Ritter mit unerſchütterlicher Freundlichkeit,Ihr ginget den ganzen Tag im Zorn und in der Wuth umher. Übrigens habt Ihr Recht, wenn man ſchon einen Andern ſo tief im Herzen hat,

darf man keine ſolche Gunſt mehr ausſpenden. Aber

feurige Kohlen will ich auf Euer Haupt ſammeln, ich

will dennoch den Fürſprecher machen. Und an Eurem

Hochzeitstag will ich bei Eurem Liebſten um einen Kuß anhalten, dann wollen wir ſehen, wer Recht behält.