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Georg von ſeinem Beſuche in der Höhle ſo wohl be⸗
kannt war.
Einn alter Mann, der Burgwart, kam aus einer
ſematte, die in den Grundfelſen gehauen war. Er öffnete mit einem wunderlich geformten Schlüſſel das
Schloß der Zugbrücke. Indem er noch damit beſchäftigt war, ſtürzte in großen Sprüngen der Hund die Treppe herab. Er winſelte, er wedelte mit dem Schwanz, er hüpfte an dem Burgwart binauf, als wolle er ihm be⸗ hülflich ſein, die Brücke für ſeinen Herrn herabzulaſ⸗ ſen. Und jetzt kam auch Marie, ſie trug ein Windlicht und leuchtete damit dem Alten, der mit ſeinem Auf⸗ cyließen nicht zurecht zu kommen ſchien.
„ Spute Dich, Balthaſar!“ flüſterte ſie. Er war⸗ tet ſchon eine gute Weile, und draußen iſt's kalt, und es weht ein garſtiger Wind.“
„Jetzt nur noch die Kette los, gnädiges Fräu⸗ lein,“ antwortete er,„dann ſollt Ihr gleich ſehen, wie ſchön meine Brücke fällt. Ich habe auch, wie Ihr befohlen habt, die Fugen mit Ol geſchmiert, daß ſie nicht mehr knarren und die Frau Roſel aus ihrem ſanften Schlaf aufwecken.“
Die Ketten rauſchten in die Höhe, die Brücke ſenkte ſich langſam nach außen und legte ſich über den Ab⸗ grund. Der Mann aus der Höhle, in ſeinen groben Mantel eingehüllt, ſchritt herüber. Georg hatte ſich das Bild dieſes Mannes tief ins Herz geprägt, und doch überraſchten ihn aufs Neue ſeine auffallend küh⸗ nen Züge, ſein gebietendes Auge, ſeine freie Stirne, das Kräftige, Gewaltige in ſeinen Bewegungen:


