Teil eines Werkes 
16. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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Wendeltreppe. Noch einmal hielt er an, um zu lau⸗

ſchen, ob Alles ſtill ſei. Er hörte nichts als das Sau⸗ ſen des Windes und das Rauſchen der Eichen über der Brücke. Er ſtieg behutſam hinab. In der Stille der Nacht tönt Alles lauter, und Dinge erwecken die Auf⸗ merkſamkeit, die man am Tage nicht beachtet hätte. Wenn Georgs Fuß auf ein Sandkörnchen trat, ſo rauſchte es auf der gewölbten Wendeltreppe, daß er erſchrack und glaubte, man müſſe es im ganzen Hauſe gehört haben. Er kam an dem erſten Stock vorüber. Er lauſchte, er hörte Niemand, aber auf dem Heerd in der Küche flatterte ein luſtiges Feuer. Jetzt war er unten. Zu dem Weg von ſeiner Kammer bis zum Thor, den er ſonſt in einem Augenblicke zurücklegte, hatte er eine Viertelſtunde verwandt.

Er ſtellte ſich in die Niſche und zog den Thorflügel noch näher zu ſich her, ſo daß er völlig von ihm bedeckt war. Eine Spalte in der Thüre war groß genug, daß er durch ſie Alles beobachten konnte. Noch war Alles ſtill im Schloß. Nur flüchtige Tritte glaubte er über ſich zu vernehmen, es war wohl Marie, die geſchäftig hin und herging.

Nach einer tödtlichen langen Viertelſtunde ſchlug es im Dorfe elf Uhr. Dies war die Zeit des nächtlichen Beſuches. Georg ſchärfte ſein Ohr, um zu vernehmen, wann er komme. Nach wenigen Minuten hörte er oben den Hund anſchlagen zugleich rief über dem Graben eine tiefe Stimme:Lichtenſtein!

Wer da? fragte man aus der Burg. Der Mann iſt da! antwortete jene Stimme, die