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die Zugbrücke an das Thor, rechts war die Treppe, die
hinaufführte, vor ihm der Thorweg, den Jeder gehen
mmußte, der ins Schloß kau Dorthin beſchloß er, in der kommenden Nacht ſich zu ſchleichen.
Um acht Uhr kam der Knappe mit der Lampe, um ihm wie gewöhnlich ins Bett zu leuchten. Der Herr des Schloſſes und ſeine Tochter ſagten ihm freundlich gute Nacht. Er ſtieg hinan in ſeine Kammer, er ent⸗
ließ den Knecht, der ihn ſonſt entkleidete, und warf ſich angekleidet auf das Bette. Er lauſchte auf jeden Glockenſchlag, den die Nachtluft aus dem Dorf hinter dem Walde herübertrug. Oft ſchloſſen ſich ſeine Augen, oft ſchwebte er ſchon auf jener unſicheren Grenze zwi⸗ ſchen Wachen und Schlafen, wo ſich die Peele nur mit ermatteten Kräften gegen die Bande des Schlummers ſträubt, aber immer wieder rang er ſich los, wenn ſeine Gedanken klar genug waren, um ihm ſeinen Zweck ins Gedächtniß zurückzuführen.
Zehn Uhr war längſt vorüber. Die Burg war ſtill und todt; Georg raffte ſich auf, zog die ſchweren Sporen und Stieſel ab, hüllte ſich in ſeinen Mantel und öffnete behutſam die Thüre ſeiner Kammer. Er hielt den Athem an, um ſich nicht durch Schnauben zu verrathen; die Angeln ſeiner Thüre knarrten, er hielt an, er lauſchte, ob Niemand dieſe verrätheriſchen Töne gehört habe. Es blieb Alles ſtill. Der Mond fiel in mattem Schein auf den Vorplatz. Georg pries ſich glücklich, daß ihn dieſes trügeriſche Licht nicht zum zweitenmal verrathen werde. Er ſchlich weiter an die
W. Hauſſs Werke. XVI. 8


