Teil eines Werkes 
16. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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Namen ſeines Herrn zu neunen, kam er, mich zu warnen.

Warum aber führt der Ritter ſeinen Hetzer nicht mit ſich? Wahrlich, ein Arm wie der ſeine, unterſtützt von einem ſolchen Thier, darf ſechs Mörder nicht fürchten.

Das Thier iſt wachſam, antwortete ſie,aber wild. Wenn er es in der Höhle unten hätte, ſo hätte er zwar einen ſicheren Schutz. Wie aber, wenn durch Zufall ein Menſch in jene Höhle käme? Sie iſt ſo groß, daß man den Mann nicht darin ahnen kann, aber die Dogge würde ihn verrathen. Sie würde knurren und anſchlagen, ſobald ſie Tritte hörte, und ſein Aufenthalt wäre entdeckt. Darum hat er ihm befohlen, als er weg ging, hier zu bleiben, er verſteht dies Ge⸗ bot und ich ſorge für ihn. Er hat ordentlich das Heim⸗ weh nach ſeinem Herrn, und die Freude ſollteſt Du ſehen, wenn es Nacht wird; er weiß, daß dann ſein Herr bald ins Schloß kommt, und wenn die Zugbrücke niederfällt und die Schritte des Mannes auf dem Hofe tönen, da iſt er nicht mehr zu halten; er würde ſechs⸗ fache Ketten zerreißen, um bei ihm zu ſein.

Ein ſchönes Bild der Treue! doch ein ſchöneres noch iſt der Mann, dem dieſer Hund gehört. Hing er doch eben ſo treu an ſeinem Herrn, und ließ ſich ver⸗ bannen und ins Elend jagen; es iſt thöricht von mir, ſetzte Georg hinzu,ich weiß, Neugierde ſteht einem Mann nicht an, aber wiſſen möchte ich, wer er iſt.

So gedulde Dich doch, bis es Nacht wird! Wenn der Mann kommt, will ich ihn fragen, ob Du es wiſſen darfſt; ich zweifle nicht, er wird es erlauben.