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Geheimniß haben, ohne daß es der andere Theil wiſſen
muß? Schnell! antworte, wer iſt der Mann in der Höhle?“
„Werde nicht böſe; ſieh', wenn es nur mein Ge⸗ heimniß wäre, ſo müßteſt Du es auch wiſſen und könnteſt es mit Recht verlangen, aber ſo— ich weiß zwar, daß es bei Dir ſo ſicher wäre als bei mir, aber ich darf nicht.“
Sie ſprach noch, als die Thüre aufſprang und eine Dogge von ungeheurer Größe hereinſtürzte.* Georg fuhr unwillkürlich auf, denn einen Hund von ſolcher Größe und Stärke hatte er nie geſehen. Der Hund ſtellte ſich ihm gegenüber, ſchaute ihn mit rollenden Augen an und fing an zu murren. Es tönte aus ſeiner breiten Bruſt herauf dumpf und hohl wie ein nahender Sturm, und die wohlgeordnete Reihe ſcharfer Zähne, die er vorwies, zeigten ihn als einen Kämpfer, deſſen Zorn man nicht reizen dürfe. Ein Wort von Marie reichte hin, ihn ruhig und beſänftigt zu ihren Füßen zu legen. Sie ſtreichelte ſeinen ſchönen Kopf, aus welchem die klugen Augen noch immer bald nach ihr, bald nach dem Junker ſpähten.„Er hat Menſchenverſtand!“ ſagte ſie lächelnd.„Er kommt, um mich zu warnen, daß ich den Mann in der Höhle nicht verrathen ſoll.“
„Ein herrlicher Hund, wie ich nie einen geſehen! Wie er den Kopf ſo ſtolz aus dem goldnen Halsband
hervorträgt, als gehöre er einem Kaiſer oder König!“ „Er gehört ihm, dem Vertriebenen,“ erwiderte Marie,„und weil ich auf dem Sprung war, den 3* Dieſen merkwürdigen Hund beſchreibt Tathäuger als Ainen Liebling Ulerichs asefch kich A. a. O. S. 1. 50
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