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ſich zu Würtembergs Sache, zu der Sache der Unter⸗ drückten und Vertriebenen, mit Wort und Handſchlag verpflichtet habe, da ſtrahlte Mariens Auge von wun⸗ derbarem Glanze; ſie ſah Georg lange an, er glaubte eine Begeiſterung in ihrem Auge, in ihren Zügen zu leſen, die nicht die Freude, daß er ihres Vaters Partie ergriffen habe, allein vorbrachte.
„Georg!“ ſagte ſie,„es werden Viele ſein, die Dich einſt um dieſe Nacht beneiden werden. Du darfſt es Dir auch zur Ehre rechnen, denn glaube mir, nicht Jeden hätte Hans zu dem Vertriebenen geführt.“
„Du kennſt ihn,“ erwiderte Georg;„Du weißt um ſein Geheimniß? O ſag' mir doch, wer iſt er? Ich habe ſelten einen Mann geſehen, deſſen Auge, deſſen Miene, deſſen ganzes Weſen mich ſo beherrſcht hätte, wie dieſer. Wo lagen ſeine Beſitzungen, wo iſt das Schloß, aus dem er vertrieben iſt? Er ſagt, er wolle jetzt keinen andern Namen haben als„der Mann,“ aber ſein Arm, deſſen Stärke ich gefühlt, ſein heller Blick verbürgte mir, daß er einſt einen berühmten Na⸗ men in der Welt gehabt haben müſſe.“
„Er hatte einen Namen,“ antwortete Marie, weinen, der ſich mit den Beſten meſſen konnte. Aber wenn er Dir ihn nicht ſelbſt geſagt hat, ſo darf ich ihn auch nicht nennen; das wäre gegen mein Wort, das ich darauf gegeben. Herr Georg muß ſich alſo ſchon noch gedulden,“ ſetzte ſie lächelnd hinzu,„ſo hart es ihn auch ankommt, denn er iſt ein neugieriger Herr.“
„Mir kannſt Du es ja doch ſagen,“ unterbrach ſie Georg; ſind wir nicht eins? Darf das eine ein


