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und durch ihre lange Dienſtzeit die Zügel der häuslichen Regierung an ſich gebracht, das Geſinde ging und kam nach ihrem Blick, und ſie gab zu verſtehen, daß ſie beim Herrn Alles gelte, obgleich ſeine ganze Gnade nur darin beſtand, daß er ſie nicht in Gegenwart der Übrigen auszankte.
Mit dem Fräulein lebte ſie in neuern Zeiten nicht mehr im beſten Verhältniß. Sie hatte in den Ta⸗ gen der Kindheit und erſten Jugend ihr ganzes Ver⸗ trauen beſeſſen. Noch in Tübingen war ſie wenigſtens halb ins Geheimniß ihrer Liebe gezogen, und Frau Roſel nahm wirklich ſo thätigen Antheil an Allem, was ihr Fräulein betraf, daß ſie geſagt hätte:„Wir lieben den Herr von Sturmfeder aufs Zärtlichſte, oder — uns will das Herz beinahe brechen, weil wir ſchei⸗ den müſſen.“
Dieſem Vertrauen machten aber zwei Dinge ein Ende. Das Fräulein bemerkte, daß Frau Roſel zu gerne ſchwatze, ſie war ihr auf der Spur, daß ſie ſogar von ihrem Verhältniß zu Georg geplaudert habe. Sie war daher von jetzt an kälter gegen die Alte, und Frau
Roſel merkte im Augenblick, warum dies geſchehe. Als
aber bald darauf die Reiſe nach Ulm angetreten wurde, als Frau Roſel, obgleich ſie ſich einen neuen Rock von Fries und eine köſtliche Haube von Brocat hierzu ver⸗ fertigt hatte, auf höheren Befehl in Lichtenſtein blei⸗ ben mußte, da wurde die Kluft noch weiter; denn die Alte glaubte, das Fräulein habe es beim Vater dahin gebracht, daß ſie nicht nach Ulm mitreiſen dürfe.
Das Vertrauen wurde nicht hergeſtellt, als Marie


