VI.
Herrengunſt, Aprillenwetter, Frauenlieb und Roſenblätter, Würfel, Karten, Federſpiel, Verkehren ſich oft, wer's glauben will. . Altes Sprüchwort.
Als Georg die Thüre öffnete, richtete ſich aus einer ſehr gebückten Stellung die hagere, knöcherne Geſtalt der Frau Roſel auf. Es war dies eine jener alten Dienerinnen, die, wenn ſie von früher Jugend an in einer Familie bleiben, ſich einbürgern, in die Familie verwachſen und gleichſam ein nothwendiger Zweig da⸗ von werden. Sie hatte ihr Nützlichkeit beſonders nach dem Tode der Frau von Lichtenſtein erprobt, wo ſie Marie mit großer Sorgfalt pflegte und aufzog. Sie war ſo von einer Zofe zur Kindsfrau, von der Kinds⸗ frau zur Haushälterin, von dieſem Poſten zu Mariens Oberhofmeiſterin und Vertrauten avancirt. Sie hatte aber wie ein kluger Feldherr ſich den Rücken geſichert, ſie hatte jene Poſten, aus denen ſie in die höheren Stellen vorgerückt war, nicht wieder beſetzen laſſen, ſondern verwaltete ſie alle zuſammen, wie ſie behauptete, mit großer Gewiſſenhaftigkeit, und weil es doch ſonſt Niemand verſtehe. Sie hatte durch dieſen Kunſtgriff


