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71 ich! Hat nicht die Natur Euch ihr Siegel auf die freie Stirne gedrückt? Sind die Züge nicht echt, die ſie auf den offenen Brief Eures Geſichtes geſchrieben? Nein, Ihr könnet nicht täuſchen— die Sache meines unglück⸗ lichen Herrn hat einen Freund gefunden?“
„Wenn Ihr die Sache des vertriebenen Herzogs meinet, ſo habt Ihr recht geſehen, ſie hat einen war⸗ men Anhänger gefunden. Der Ruf bezeichnete mir längſt den Herrn von Lichtenſtein als einen treuen Freund des Herzogs, und ich wäre vielleicht auch ohne den Rath jenes unglücklichen Mannes, der mich zu Euch ſchickte, gekommen, Euch zu beſuchen.“
„Setzet Euch zu mir, junger Freund,“ ſagte der Alte, deſſen Augen immer noch mit Liebe auf dem Jüngling zu ruhen ſchienen;„ſetzet Euch hier und hö⸗ ret, was ich ſage. Ich liebe es ſonſt nicht, wenn die Leute ihre Farbe ändern; ich habe in meinem langen Leben gelernt, daß man die überzeugung eines Jeden ehren müſſe, und daß ein Mann, wenn er nur ſonſt reine Abſichten hat, nicht gerade deßwegen zu verdam⸗ men ſei, weil er anderer Meinung iſt als wir. Aber wenn man ſeine Farbe mit ſo uneigennützigen Ab: ſichten ändert wie Ihr, Georg von Sturmfeder, wen man dem Glück den Rücken kehrt, um ſich an das Un⸗ glück anzuſchließen, da hat die Anderung großen Werth, denn ſie trägt das Gepräge einer edlen That an der Stirne.“
Georg errothete über ſich ſelbſt, als er hörte, wie der Lichtenſteiner ſeine uneigennützigen Abſichten pries. War es denn nicht auch die ſchöne Tochter, was ihn zu


