V.
— und der Graf gerührt von ſolches Hohen Opfers hohem Geiſte Bei der Freude ſüßer Regung, Kann der Freundſchaft mildem Thaue, Der durchs Herz ihm, der durchs Auge Schon ihm ſchleicht, nicht widerſtehen. P. Conz.
Als die beiden Männer in dem weiten Saale von Lichtenſtein allein waren, trat der Alte dicht vor Georg hin und ſchaute ihn an, als meſſe er prüfend ſeine Züge. Ein Strahl von Begeiſterung und Freude drang aus ſeinen Augen, und die Melancholie ſeiner Stirne war verſchwunden, er war heiter, fröhlich ſogar, wie der Vater, der einen Sohn empfängt, der von langen
Reiſen zurückkehrt. Endlich ſtahl ſich eine Thräne aus ſeinem glänzenden Auge, aber es war eine Thräne der Freude, denn er zog den ülhorraſchten Jüngling an ſein Herz.
„Ich pflege nicht weich zu ſein,“ ſprach er nach dieſer feierlichen Umarmung zu Georg;„aber ſolche G Augenblicke überwinden die Natur, denn ſie ſind ſelten. Darf ich denn wirklich meinen alten Augen trauen? Trügen die Züge dieſes Briefes nicht? Iſt dieſes Siegel
echt und darf ich ihm glauben?Doch— was zweifle


