Teil eines Werkes 
16. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

68

umſonſt ſuchten ſeine Blicke dieſe Mauern zu durchboh⸗ ren, umſonſt fing ſein ſcharfes Ohr jeden Laut begierig auf, noch ſchien ſie ſich nicht zeigen zu wollen.

Sie gelangten jetzt an das innere Thor. Es war nach alter Art tief, ſtark gebaut und mit Fallgattern, Offnungen für ſiedendes Ol und Waſſer, und allen je⸗ nen ſinnreichen Vertheidigungsmitteln verſehen, womit man in den guten alten Zeiten den ſtürmenden Feind, wenn er ſich der Brücke bemeiſtert haben ſollte, abhielt. Doch die ungeheuern Mauern und Befeſtigungen, die ſich von dem Thor an rings um das Haus zogen, ver⸗ dankte Lichtenſtein nicht der Kunſt allein, ſondern auch der Natur; denn ganze Felſen waren in die Mauerlinie gezogen, und ſelbſt der ſchöne, geräumige Pferdeſtall und die kühlen Kammern, die ſtatt des Kellers dienten, waren in den Felſen eingehauen. Ein bequemer, ge⸗ wundener Schneckengang führte in die oberen Theile des Hauſes, und auch dort waren kriegeriſche Verthei⸗ digungen nicht vergeſſen, denn auf dem Vorplatz, der zu den Zimmern führte, wo in andern Wohnungen häus⸗ liche Geräthſchaften aufgeſtellt ſind, waren hier furcht⸗ bare Doppelhaken und Kiſten mit Stückkugeln aufge⸗ pflanzt. Das Auge des alten Ritters ruhte mit einem gewiſſen Ausdruck von Stolz auf dieſem ſonderbaren Hausrath, und in der That konnten dieſe Geſchütze da⸗ mals für ein Zeichen von Wohlhabenheit und ſelbſt Reichthum gelten, denn nicht jeder Privatmann war im Stande, ſeine Burg mit vier oder ſechs ſolchen Stü⸗ cken zu verſehen.

Von hier ging es noch einmal aufwärts in den